Weltwirtschaft: „Made in Germany“ ist in Gefahr!

Newsletter Januar 2014

Made in Germany ist in Gefahr, Newsletter, Fix International ServicesEs ist nur ein kleines Etikett. Doch eines mit exorbitanter wirtschaftlicher Bedeutung. Aber das "Made in Germany" ist in Gefahr - die EU will neue Regeln für die Herkunftskennzeichen einführen. Kein Wunder, dass die deutsche Industrie für das traditionsreiche Ländersiegel kämpft.
Die wechselvolle Entwicklung der Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ gehört zum spannendsten, was die europäische Wirtschafts- und Kulturgeschichte zu bieten hat. Denn schließlich haben die Briten das Siegel während der Industrialisierung vor 125 Jahren zunächst eingeführt, um die Kundschaft vor den damals häufig schlechteren deutschen Konkurrenzwaren zu warnen. 1887 beschloss das englische Parlament den Merchandise Marks Act. Doch die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Was folgte, war eine Qualitätsoffensive aus deutschen Landen. Schnell wurde das Label zu einem Sinnbild für Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation!“ berichtet Bettina Kertscher, Geschäftsführerin des Kommunikationsdienstleisters Fix International in Hamburg, 'Made in Germany' wirkte schnell wie ein gutes Siegel und kehrte die negative Warenkennzeichnung ins Gegenteil um!“ Doch möglicherweise muss sich die deutsche Industrie bald auf striktere Kennzeichnungsvorgaben einstellen. Denn der Binnenmarktausschuss im Europäischen Parlament plädiert in Brüssel dafür, Hersteller und Importeure zur Angabe des Herkunftslandes zu verpflichten. Sie sollen sich bei der Kennzeichnung an den EU-Zollregeln orientieren. Das dürfte es vielen deutschen Unternehmen erschweren, teilweise im Ausland gefertigte Produkte noch als „Made in Germany“ zu verkaufen. Bislang sind die Ursprungsbezeichnungen „Made in …“ in der EU freiwillig. So sind die Hersteller vergleichsweise frei darin, ihre Produkte als „Made in Germany“ zu bezeichnen. Das gilt auch, wenn sie zu großen Teilen im Ausland gefertigt wurden. Schließlich werden in einer globalisierten Welt ohnehin kaum noch Produkte zu 100 Prozent in einem einzigen Land hergestellt, was auch für urdeutsche Brands wie VW oder Porsche zutrifft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vertritt sogar die Überzeugung, allenfalls das Label „Made in the World“ sei angemessen.

Aufwändige Herkunftsdokumentationen zu Komponenten

Die deutsche Industrie und die Bundesregierung sind in den vergangenen Monaten gegen den Vorschlag der Kommission Sturm gelaufen. Die Hauptargumente: Die Kennzeichnung sei Sinnbild für hochwertige deutsche Produkte, dahinter steckten in jedem Fall deutsches Design oder Erfinderkunst aus Deutschland. Bereits die frühere Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) und Ex-Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatten 2013 in einem gemeinsamen Brief an die Europäische Kommission protestiert, dass die Kennzeichnung nicht beeinträchtigt oder gar gefährdet werden dürfe. Ähnlich argumentierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Und die „Deutsche Gesellschaft für Qualität“ warnt: „Das Gütesiegel 'Made in Germany' muss unangetastet bleiben. Es gilt als das drittwertvollste Ländersiegel der Welt. Marktforscher haben seinen Wert auf 3836 Milliarden Euro beziffert. Rund 70 Prozent der Deutschen vertrauen auf das Label!“ 

Darüber hinaus würde die Kennzeichnungspflicht die Kosten besonders für kleine und mittlere Unternehmen überproportional erhöhen. Denn auch diese wären verpflichtet, aufwändige Herkunftsdokumentationen zu Komponenten ihrer Erzeugnisse zu erstellen. Momentan schreibt der Zollkodex der EU, dass für die Herkunftskennzeichnung der Ort des letzten maßgeblichen Verarbeitungsschritts entscheidend ist. Nach den Europaabgeordneten müssen bald die Mitgliedstaaten im Ministerrat ihre Position zu dem Kommissionsvorschlag festlegen. In Kraft treten kann die geplante Änderung, wenn sich die EU-Kommission und das Europaparlament auf eine gemeinsame Position geeinigt haben. Ob dies aber noch vor der Wahl zum Europaparlament im Mai 2014 gelingt, bezweifeln Experten. „Damit die Qualität 'Made in Germany' in globalen Märkten auch in Zukunft sichtbar bleibt, muss es darum gehen, die charakteristische deutsche Qualitätskultur offensiv in die weltweiten Produktionsketten der deutscher Firmen zu übertragen!“ formuliert Bettina Kertscher ihre Überzeugung. 
 
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