Panik ist ein schlechter Ratgeber - mit dem Krisenfall leben

Newsletter September 2012

0c735e998b3bcf5595be1fe0225a4108.140x10000x0.jpgAls Mega-Blackout ging der Stromausfall in Indien im Sommer 2012 um die Welt. Doch der Notfall ist längst Normalität. Wenn der Alptraum Wirklichkeit wird, helfen Nervenstärke, Vorsorge und gute Partner. Die IHK-Unternehmensumfrage 2012 „Going International - Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Auslandsgeschäft“ zeigt, wie deutsche Unternehmen Hemmnisse, Chancen und Risiken auf den Weltmärkten bewerten.
Es war in Indien der größte Blackout seit vielen Jahren. Züge blieben stehen, Krankenhäuser, Geschäfte und Büros mussten – so vorhanden – Dieselgeneratoren anwerfen, die Hälfte des Landes war im Sommer 2012 ohne Elektrizität. Selbst US-Präsident Barack Obama zürnte, Indien behindere damit ausländische Investitionen. Doch die Ergebnisse der bundesweiten IHK-Unternehmensumfrage 2012  „Going International -  Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Auslandsgeschäft“ zeigen, dass deutsche Unternehmen Hindernisse, denen sie sich auf den Weltmärkten gegenübersehen, differenziert bewerten. Asien ist bei der Internationalisierung deutscher Unternehmen weiter Magnet: Von den Betrieben, die Tochterunternehmen ausbauen wollen, gehen ebenso viele nach Asien wie in die EU-15 Staaten. Beim Aufbau von „Sourcing“- Kapazitäten, also dem Einkauf für die Weiterverarbeitung in Deutschland,  liegt Asien mit jeweils 59 Prozent ebenfalls an der Spitze. 86 Prozent der Betriebe geben an, für einen Ausbau des Auslandsgeschäfts auf Lieferungen von Waren und Dienstleistungen aus Deutschland in die Welt zu setzen. Knapp 30 Prozent der Unternehmen wollen in Zukunft ihre Auslandsaktivitäten durch mehr Kooperationen mit selbständigen Partnern ausbauen. Hier schauen die Unternehmen neben europäischen Partnern (50 Prozent) insbesondere nach Asien (42 Prozent). Die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China verzeichnen die besten Geschäftsaussichten für 2012. Bereits ein knappes Drittel der auslandsaktiven Unternehmen agiert im Ausland mit eigenen Niederlassungen und Tochterunternehmen.

„In vielen Ländern gibt es kein Netzwerk!“

Doch in Europa ist man es gewohnt, in einem gut funktionierenden Netzwerk zu leben, das reagiert, sobald etwas passiert. „Es wird oft vergessen, dass es dieses Netzwerk in vielen Ländern nicht gibt.“ Deshalb, so eine Expertin der IHK-München, brauchen Firmen, die ihre Mitarbeiter in Schwellenländer oder Krisengebiete entsenden, immer ein Konzept: Welche Risiken von Anfang zu vermeiden und welche Maßnahmen im Notfall zu ergreifen sind. Auch kleine und mittlere Unternehmen engagieren sich heute weltweit in schwierigen Märkten. „Der Geschäftsaufbau in diesen Regionen ist oft noch eine Herausforderung. Eine professionelle Strategie macht die Risiken beherrschbarer. Panik ist ein schlechter Ratgeber. Hilfreicher sind Infopakete über Zielmärkte, Tipps über Reisegegebenheiten bis hin zu Impfempfehlungen,“ erklärt Bettina Kertscher, Geschäftsführerin des Hamburger Kommunikationsdienstleisters Fix International. Eine wichtige Adresse ist dabei das Auswärtige Amt. Sicherheitsberatungsfirmen wie Control Risks in Berlin oder die Result Group in München bieten ihren Kunden eine umfangreiche Datenbank mit Bewertungen von Reise-, Terrorismus-, Wirtschafts- und Politrisiken für alle Länder und circa 300 Städte der Welt. Und auch wenn es nicht um Geschäfte mit Partnern in Krisengebieten wie Afghanistan oder Irak geht, müssen Unternehmer auch in den Ländern Lateinamerikas, Afrikas, Asiens oder der ehemaligen Sowjetrepublik auf Gefahren. „Mitarbeiter, die ins Ausland gehen wollen, müssen einige Voraussetzungen erfüllen. Neben ihrer fachlichen Qualifikation gehört dazu Berufs- und Lebenserfahrung,“ rät Katrin Brass, Leiterin des Bereichs Interkulturelles Training beim Kommunikationsdienstleister Fix International in Hamburg, „darüber hinaus sollten sie auch die Fähigkeit ausgebildet haben, mit Menschen anderer Kulturkreise erfolgreich zu kommunizieren zu können.“

An vorderer Stelle der Prioritätenliste der IHK-Unternehmensumfrage 2012 „Going International notwendiger Rahmenbedingungen für ein Auslandsengagement steht übrigens die politische Stabilität. Ein Unternehmen, das sich nicht sicher ist, dass es z. B. im Falle von Regierungswechseln vor Enteignungen geschützt wird, wird dort zu keinem Investment bereit sein. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bietet im Rahmen der Sicherheitskonzepte vor Ort eine begrenzte Koordinationsfunktion, die in gemeinsamen Programmstrukturen kurz- oder längerfristig arbeiten bzw. im Auftrag der GIZ unterwegs sind, ein professionelles Sicherheits- und Risikomanagement befindet sich im Aufbau.

Besonders gute Geschäftserwartungen übrigens verbinden sich für deutsche Unternehmen mit Brasilien. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 sorgen für anhaltend positive Erwartungen an die neue Wirtschaftsmacht. Ölfunde und eine stabile Wirtschaftspolitik lassen die Hoffnung keimen, dass dort Stromausfälle nicht auf dem Spielplan stehen.


 

 

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