Abschiedsrituale international: Sag beim Abschied richtig Servus!

Newsletter Februar 2013

inhalte.jpgManager mit langjährigen Erfahrungen im internationalen Geschäft können ein Lied davon singen: Die Verhandlungen mit ausländischen Partnern waren bestens gelaufen, alles schien klar. Das Meeting ging schneller über die Bühne als erhofft, ein kurzer Händedruck am Ende, und dann raus aus Office oder Restaurant. Doch am nächsten Tag kann man nicht den erhofften Abschluss verbuchen – ohne zu wissen, warum sich der Geschäftspartner plötzlich so distanziert verhält…
Standen im letzten Newsletter Begrüßungsrituale im Vordergrund, so geht es hier um die Frage nach dem formvollendeten Abschied. Denn auch hier gibt es Unsicherheiten, die Trainingthema im Rahmen interkultureller Fragestellungen sein können. Das gilt beispielsweise für die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für das Ende eines Meetings oder eines gemeinsamen Geschäftsessens. „Deutsche Manager lieben es, schnell zur Sache zu kommen. Fakten stehen im Vordergrund,“ berichtet Katrin Brass, Leiterin des Bereichs Interkulturelles Training beim Kommunikationsdienstleister Fix International in Hamburg, „doch was mancher Manager längst in trockenen Tüchern glaubt, muss in vielen Ländern erst noch durch intensives persönliches Kennenlernen zur vertragsreife gebracht werden!“ Denn auch der Abschied folgt häufig formalisierten Ritualen oder verlangt großes Fingerspitzengefühl. Auch hier geht es schließlich um Respekt. Deutsche Manager müssen darauf gefasst sein, dass sich ihre Gesprächspartner oft nicht von einer Agenda den Ablauf eines Meetings vorschreiben lassen wollen.

Dabei will niemand Tabus brechen oder peinliche Situationen schaffen. Im Vergleich mit internationalen Standards wird deutschen Managern und der deutschen Verhandlungskultur wenig Emotionalität und Freundlichkeit zugetraut, dass gilt auch bei Begrüßungs- und Abschiedsritualen. „Es kann für den international tätigen Manager Übungssache sein, Meetings ergebnisorientiert zu leiten und zum richtigen Zeitpunkt zu beenden“, erläutert Katrin Brass, „deshalb gewinnen interkulturelle Fähigkeiten gerade in einer globalisierten Welt an Bedeutung. Unser Empfinden darüber, wann oder in welcher Form Freundlichkeit angemessen erscheint, oder wie stark sie empfunden wird, hängt in starkem Maße von der kulturellen Sozialisation ab.“

Körperberührungen und Abschiedsrituale

In vielen Kulturen gehören Körperberührungen zum Ritual eines Abschieds. Im ursprünglichen Sinn sind das  Gesten der Beschwichtigung. Sie sollen dem Gegenüber die eigene Friedfertigkeit anzeigen. Wer professionell mit Menschen aus anderen Kulturkreisen umgeht und dies trainiert hat, weiß auch mit den Mehrdeutigkeiten umzugehen, und entwickelt dabei eine sogenannte Ambiguitätstoleranz, die ihm hilft, auch unklare oder widersprüchliche Situationen zu bestehen. Doch benötigt er dafür entsprechendes Wissen oder ein großes Maß an entsprechender Erfahrung.

So gibt es bedeutende kulturelle Differenzen in der Zeitwahrnehmung. Denn das besteht nicht nur aus dem Wissen über die Entwicklung von Ereignissen. Das ist in Sekunden und Stunden messbar. Genaus entscheidend kann auch das informelle Wissen über Zyklen und Rhythmen des religiösen Kalenders, der Jahreszeiten oder der Mahlzeiten sein. Darüber hinaus wird unsere Realität immer stärker auch durch Begegnungen mit Menschen geprägt, die in unterschiedlichen Lebenswelten groß geworden sind. Hier kommt es nicht nur auf länderbezogenes Verhalten an, sondern auf die Fähigkeit, eine Situation individuell deuten zu können. Wer hierbei den Abschied für alle Beteiligten angenehm zu gestalten versteht, ist auf dem Weg zur interkulturellen Meisterschaft.   

 



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