Arbeiten in den USA - CHRISTIAN ARFERT - „Amerikaner machen Nägel mit Köpfen!“

Newsletter August 2013

Arbeiten in den USA, Interview Christian Arfert, Newsletter Fix International ServicesAls weltweit größte Volkswirtschaft gehören die USA zum führenden Absatzmarkt für europäische Unternehmen. Muss man sich auf Land und Leute einstellen, wenn man geschäftlich in den USA zu tun hat? „Ist nicht nötig!“ lautet manchmal die Antwort, „wir sprechen Englisch und die amerikanische Mentalität ist doch von europäischen Einwanderern geprägt!“ Der Hamburger Werbeprofi Christian Arfert berichtet aus der Praxis. Er lebt seit vielen Jahren in New York und plant und koordiniert dort mit seiner Kommunikationsagentur Velvet Nation die Einführung deutscher Markenprodukte, u.a. Premium-Biere wie Radeberger.
Rubrik: Interview mit Christian Arfert

Christian Arfert, Jahrgang 1968, in Heide/Holstein geboren. Nach dem Abitur Ausbildungen zum Fotograf und Werbekaufmann. Anschließend in führenden Positionen in verschiedenen deutschen Werbeagenturen, von 2000 - 2009 bei der Agentur “Zum Goldenen Hirschen”, Hamburg/Berlin. Kunden u.a. BMW Mini, Radeberger Gruppe, Axel Springer AG, Tchibo, Tom Tailor, Mercedes Benz Hungary, Stella Musicals, Unilever. Seit 2007 ist Christian Arfert Strategischer Berater für die Radeberger Gruppe International. 2008 gründete er VELVET NATION, ein Agentur-Netzwerk mit Sitz in New York/USA.



Christian Arfert, warum ist deutsches Bier bei den Amerikanern so beliebt und welche Vorstellungen verbinden amerikanische Bierliebhaber mit der Biernation Deutschland?

Christian Arfert: Weil die Deutschen die Entwicklung der Brauhistorie so entschieden geprägt haben, lieben die Amerikaner deutsches Bier. Aber deshalb ist es immer auch ein Blick in die Vergangenheit. Dieser Mythos ist ähnlich wie bei deutschen Autos, etwa Mercedes. Die Deutschen stehen in den USA für Handwerkskunst, Liebe zum Detail und Hochwertigkeit. Das bedeutet leider auch, dass die Bilder der Amerikaner vom deutschen Bier noch immer sehr klischeehaft blau-weiß eingefärbt sind.

Nachdem Sie viele Jahre erfolgreich in deutschen Werbeagenturen in führenden Positionen tätig waren, arbeiten Sie seit 2008 mit ihrer eigenen Agentur VELVET NATION in New York. Gab es einen Kulturschock?   

Christian Arfert: Nein, überhaupt nicht! Das hat historische Gründe, die USA sind ein klassisches Einwanderungsland.  Alle, die in die in die USA kamen, wollten und mussten irgendwo neu anfangen. Sie nutzen die Möglichkeiten, sie sich boten. Dieser Pioniergeist und die Risikobereitschaft sind bis heute spürbar. Jeder kann seinen Platz in der Gesellschaft selbst bestimmen, ein hoher Grad an Individualismus ist das Ergebnis, der amerikanische Traum lebt! Der Begriff „Probleme“ gehört nicht zum Lieblingsbegriff eines Amerikaners. Außerdem war ich schon vorher häufig drüben und liebe Land und Leute. In New York ist die ganze Welt zuhause, diese Stadt heißt jeden willkommen – wenn du dort etwas vorhast! Allerdings sollte man sich immer klarmachen, dass New York eine eigene Biosphäre ist, die nicht mit dem übrigen Land zu vergleichen ist.

Was schätzen Sie in dieser Situation besonders?

Christian Arfert: Die kulturelle und ethnische Vielfalt! Denn die unterschiedlichen Kulturen ergänzen und bereichern sich. Deutschland ist im Vergleich viel homogener und weniger offen. Auch die deutsche Mehrheitsgesellschaft wird diese Bereicherung noch begreifen.

Die Fähigkeit zum zwanglosen Small Talk soll bei Amerikanern besonders ausgeprägt sein. Welche Themen muss man meiden? 

Christian Arfert: Es gibt Tabuthemen, die auch bei einem lockeren Plausch vermieden werden sollten. Europäer neigen zu Gesprächen, bei denen sie ihren Gegenüber auch kritisch hinterfragen. Diesen Diskussionsstil sollte man Amerikanern gegenüber vermeiden. Auch Alter, Politik, Religion oder Geschichte gehören nicht zu einem geschäftlichen Dinner, viele Amerikaner sind harmoniebedürftig, Optimismus prägt die Stimmung.

Was macht die Besonderheit der Amerikaner im Umgang miteinander aus?   

Christian Arfert: Es geht oft nicht um intensive Freundschaften. Das Verständnis für diese Art persönlicher Beziehungen fehlt vielen Deutschen. Sehr wichtig ist es, eine auf Respekt und Verständnis basierende Atmosphäre entstehen zu lassen. Wem das gelingt, der kann mit Amerikanern gute Geschäfte machen. Fast immer werden Geschäfte schnell abgewickelt, lange Verhandlungen verringern die Erfolgsperspektiven, das Motto „time is money“ wird von US-Amerikanern geschätzt! Während in deutschen Meetings oft konsensorientiert gedacht wird – was zahllose weitere Meeting zur Folge hat – machen Amerikaner Nägel mit Köpfen. Was mir allerdings wirklich gut gefällt, sind die sich ständig und immer ergebenen neuen Chancen – kaum bedauert man, eine gute Gelegenheit verpasst zu haben, kommt schon die nächste!

Was sollte unbedingt vermieden werden?

Christian Arfert: Amerikanische Unternehmen sind sehr hierarchisch nach dem Top-Down-Prinzip aufgebaut. Widerspruch gegenüber Vorgesetzten ist absolut nicht gern gesehen. Ein  definitives "No" klingt für einen Amerikaner wie ein Faustschlag. Ein höfliches "Yes, but…" hingegeben sagt das gleiche und kommt viel freundlicher daher.

Gibt es auch Gemeinsamkeiten?

Christian Arfert: Absolut! Die deutsche und die amerikanische Kultur sind sehr abschlussorientiert. Im Vergleich zu vielen asiatischen Kulturen ist der Aufbau persönlicher Beziehungen als Voraussetzung zum Geschäftsabschluss weniger bedeutsam, auch wenn natürlich Netzwerke eine große Bedeutung haben. Allerdings dauert er in Deutschland wesentlich länger, bis das Ergebnis feststeht.

Gibt es Eigenheiten im Arbeitsleben in Deutschland, die Sie in den USA vermissen? 

Christian Arfert: Ich habe das Glück, meinen eigenen Arbeitsraum gestalten zu können. Mir liegt grundsätzlich die amerikanische Perspektive. Deswegen vermisse ich eigentlich nichts.
Was schätzen Sie an der amerikanischen Businesskultur und wovon könnten deutsche Manager lernen?

Christian Arfert (lacht): In den USA ist es ok zu scheitern – wenn man danach wieder aufsteht! Die Risikobereitschaft ist höher, man kann mehr ausprobieren.  In Deutschland ist jede Niederlage sofort mit einem Stigma versehen.

Welches sind Ihre Lieblingsorte in New York? 
 
Christian Arfert: Unser Büro liegt in China Town, ich lebe im East Village. Ich entdecke immer wieder neue Ecken, in die ich mich verliebe. Ich liebe meinen Runningtrack, der vom East River zum Battersea Park geht. Der Weg führt unter der Brooklyn Bridge durch, zur Manhattan Bridge und dann bis zur Williamsburg-Bridge. Das ist nicht nur eine wunderbare Laufstrecke, sondern zugleich die größte und spektakulärste Filmkulisse der Welt!

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