Wirtschaft Osteuropa - ERIKA DAVIDAVICIUS - Litauen – ein EU-Neuling mit Potential

Newsletter Mai 2013

Interkulturelle Kommunikation Litauen, Interview Erika Davidavicius, Newsletter Fix International ServicesLitauen ist der der südlichste der drei baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland. Litauen grenzt im Westen an die Ostsee und hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Weißrussland, Polen und der russischen Oblast Kaliningrad. Als eine unabhängige Republik existierte Litauen 1918 bis 1940 sowie nach 1990. Seit dem 1. Mai 2004 ist Litauen Mitgliedstaat der Europäischen Union. Zu den wichtigsten Exportartikeln Litauens zählen Maschinen, Lebensmittel, Elektroartikel und Textilien. In Klaipėda an der Ostsee befindet sich ein wichtiger Seehafen mit Fährverbindungen in den gesamten Ostseeraum. Dem EU-Neuling Litauen bescheinigen Experten für die Zukunft großes Potential. Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite hat 2013 den renommierten Karlspreis erhalten.
Rubrik: Interview mit Erika Davidavicius

Erika Davidavicius wurde in Kaunas, in der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen geboren. Sie hat in Kaunas, nach Vilnius die zweitgrößte Stadt des Landes, Literaturwissenschaft studiert. Anfang der 90-er Jahre ging sie nach Deutschland. Heute betreibt sie in Hamburg eine Galerie, in der schwerpunktmäßig die Kunst der baltischen Republiken vertreten ist.


Erika Davidavicius, Sie wurden in Litauen geboren. Was hat Sie nach Deutschland geführt?

Ich bin 1991 erstmals nach Deutschland gekommen. Ich begleitete damals meine Schwester, weil ich deutsch lernen wollte. Meine Schwester war 19, da bin ich zur Beruhigung meiner Mutter mitgefahren! Die deutsche Sprache hat mich interessiert, weil mein litauischer Großvater in Kaunas eine riesige Bibliothek hatte. Er war vor dem 2. Weltkrieg Deutsch- und Französischlehrer am Gymnasium gewesen. Seine größte Sorge galt seinen Büchern und der Frage, wer sei einmal erben würde. Niemand konnte deutsch in meiner Familie. Meine Schwester ging zum studieren nach Deutschland, ich arbeitete bereits als Lehrerin in Kaunas, nachdem ich zuvor litauische Sprache und Literatur studiert hatte. Damals hatte ich noch das Angebot, an der Wissenschaftsakademie zu arbeiten. Wahrscheinlich hätte ich ohne meine Schwester nicht den Mut gehabt, nach Deutschland zu gehen.                

Gab es etwas, was Sie im Westen unbedingt sehen wollten? 

Erika Davidavicius: Litauen gehörte damals zur Sowjetunion. 1991 war ich sehr begeistert, dass ich endlich frei reisen durfte. Ich hätte mir das als Jugendliche niemals vorstellen können. Mein größter Traum war immer gewesen, einmal in Paris im Louvre vor der Mona Lisa stehen zu dürfen! Das schien ein unerreichbares Ziel, weiter als zum Mond, weiter als zur Venus.

Plötzlich gab es diese Möglichkeit.Können Sie sich daran erinnern, was Sie empfunden haben, als Sie das erste Mal im Westen waren?

Erika Davidavicius: Ich wollte immer reisen, auch während der Sowjetzeit. Aber ich hatte nie die Absicht, Litauen für immer zu verlassen. Es war schon schwierig für uns, nach Polen zu fahren. Ich hatte bis dahin eigentlich nur Reisen nach Bulgarien unternommen und nach Jugoslawien. Von Istrien aus bin ich 1989 für einen Tag mit dem Schnellboot nach Venedig gefahren – diesen Augenblick werde ich nie mehr in meinem Leben vergessen – das roch nach Freiheit! Dieses unglaubliche Gefühl habe nie mehr empfunden.

Mittlerweile interessieren sich auch deutsche Mittelständler für Investitionen in Litauen. Worauf sollten deutsche Manager achten, wenn sie erfolgreich sein wollen?

Erika Davidavicius: Litauer sind meist sehr entschlussfreudig. In Deutschland gibt es lange Wege, bis es von der Idee endlich zur Umsetzung kommt. Die Litauer strahlen oft mehr Wärme aus, im Privatleben, aber auch im Job. Sie leben nun seit über zwanzig Jahren in Deutschland.

Gibt es Verhaltensweisen, die sie hier bei den Hamburgerinnen und Hamburgern besonders mögen?

Erika Davidavicius: Die Hamburger wirken bei den ersten Begegnungen recht kühl und distanziert. Es braucht eine Weile, bis man sie besser kennenlernt und sie sich öffnen. Wenn es aber so weit ist, können wunderbare Freundschaften entstehen.  Sie arbeiten in Hamburg als Galeristin.

Wie würde sich Ihre Tätigkeit als Galeristin in Litauen von der Arbeit in Deutschland unterscheiden? 

Erika Davidavicius: Die Litauer sind offener gegenüber der Kunst, neugieriger. Dort gehört es zum Alltag, in der Mittagspause schnell mal eine Galerie zu besuchen und sich neue Werke anzuschauen, zumindest in den großen Städten wie Vilnius oder Kaunas. Es gehört zum Stil vieler Menschen, sich mit originalen Kunstwerken einzurichten, vor vielen Häusern findet man Skulpturen. Und es ist viel normaler, dass sich die Menschen Kunstwerke schenken oder Geld für Kunst, etwa zu Hochzeiten. In Hamburg habe ich das noch nie erlebt.

Welche Orte sollten Besucher aus Deutschland in Litauen unbedingt sehen? 

Erika Davidavicius: Ich empfehle Vilnius, die Hauptstadt Litauens. Dort leben etwa 500.000 Menschen. Die wunderbare Altstadt von Vilnius wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Ein Besuch lohnt sich!

Planen Sie, Ihr Leben dauerhaft in Deutschland  zu verbringen oder ist irgendwann auch eine Rückkehr nach Litauen vorstellbar?

Erika Davidavicius: Ich würde vielleicht gerne noch mal in Frankreich oder Italien leben. Doch leider beherrsche ich weder die französische, noch die italienische Sprache. Also käme nur ein englischsprachiges Land in Frage. Interessanterweise fühlen sich meine beiden Töchter, die in Deutschland geboren wurden, mit Litauen sehr verbunden. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt…
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