Engagement mit Potential - Mehr als 500 Hamburger Unternehmen im Indien-Geschäft

Newsletter März 2013

Interkulturelles Training Indien, Newsletter Fix International Services, Peter BraunÜber eine Milliarde Menschen leben in Indien. Die größte Demokratie der Welt zählt zu den wachstumsstärksten Märkten weltweit, die Stadt Hamburg hat dieses Potential erkannt. Wirtschaftliche Beziehungen und Kooperationen in Wissenschaft, Forschung und Kultur haben mittlerweile Tradition. Bereits heute sind über 500 Hamburger Unternehmen in Indien tätig. Vom 7. bis 15. September 2013 stellen auf der „India Week“ unterschiedliche Akteure Tradition und Gegenwart Indiens vor. Südasien-Experte Peter C. Braun erläutert im Interview im Vorfeld, was im deutsch-indischen Business Erfolg bringt.
Rubrik: Interview Peter C. Braun

Peter C. Braun, 1978 in Worms geboren, studierte am Südasien Institut der Universität Heidelberg Politische Wissenschaft Südasiens und Geschichte Südasiens mit dem Schwerpunkt Indien. Sein Hindi Sprachstudium erfolgte neben der Universität Heidelberg auch an der  Banaras Hindu University, Varanasi, Indien, und der State University of Rajasthan, Jaipur, Indien. Nach Abschluss seines Studiums mit einer Magisterarbeit über „Civil Society in Pakistan“ arbeitete er in der Indischen Botschaft in Berlin und war anschließend Direktor der Außenstelle des Südasien Instituts der Universität Heidelberg in Neu Delhi in Indien. 2009 war er Mitbegründer und Geschäftsführer des Knowledge Must, Neu Delhi in Indien. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland im Sommer 2011 arbeitet Braun als freiberuflicher Interkultureller Berater und Trainer für Indien und bis zum März 2013 als Regionalmanager Indien/Südasien beim OAV: German Asia-Pacific Business Association in Hamburg. Seit April 2013 ist er zuständig für International Recruitment & Training an der ISS International Business School in Hamburg. In dieser Funktion betreut er Austauschprogramme für indische Studenten, die in Deutschland ein duales Masterstudium Programm an der ISS absolvieren. Dies beinhaltet unter anderem die interkulturelle Vorbereitung indischer Studenten auf das Studium in Deutschland, die Zusammenarbeit mit deutschen Arbeitgebern, Skill Assesment  der Studenten und die weitere Betreuung in Deutschland.



Peter C. Braun, wie kam es zu Ihrer Leidenschaft für die Region Südasien?

Meine Leidenschaft für die Region Südasien (Indien, Nepal, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka und Bhutan), insbesondere für Indien, wurde durch einen Freund geweckt. Der fragte mich 1996, ob ich mit ihm in den Schulferien nach Indien reisen möchte. Ich habe damals zugesagt – obwohl ich selbst nie daran gedacht hatte, nach Indien zu fliegen! Es war die Neugier auf die Welt und auf eine Region im Wandel. Schon bei meiner ersten Reise konnte ich spüren, dass das Land ein erwachender Riese war, das auch beruflich faszinierende Perspektiven bieten würde. Die Inder haben es mir damals sehr leicht gemacht, mich in die Kultur und das Land zu verlieben!

Gute Beziehungen und somit persönliche Kontakte zu den lokalen Vertragspartnern gehören zu den wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Geschäfte mit Indien. Warum sollten sich Manager vor ihren Einsatz mit interkulturellen Aspekten beschäftigen?

Peter C. Braun: Erfolgreiche Kooperationen in Indien, mit indischen Geschäfts- oder Vertriebspartnern basieren auf kulturellen Faktoren, die es unbedingt zu beachten gilt. Es herrscht unter internationalen Unternehmen häufig die Annahme, dass es bei einem Markteintritt in Indien primär auf eine Produktanpassung, die richtige Marktanalyse und das jeweilige Business Set Up ankommt. Dabei werden kulturelle Aspekte wie Arbeitsweisen, Verständnis von Produktivität, Verbindlichkeit und Zeit, effiziente Kommunikation, Arbeitnehmerverständnis und Verantwortungsgefühl, Hierarchien in der Arbeitswelt und Gesellschaft, persönliche Beziehungen und HR Strategien häufig zu wenig beachtet. Das kann dauerhaft zu sehr hohen Kosten bzw. ungeahnten Problemen führen.

Als Geschäftsführer von Knowledge Must waren Sie neben der Organisationsleitung unter anderem verantwortlich für die Konzeption und Durchführung von kulturspezifischen- und prozessorientierten Trainings. Was sind Ihrer Meinung nach unabdingbare Bestandteile solcher Trainings?

Peter C. Braun: Die oben genannten Punkte sollten in ein Training integriert werden. Es ist auch ratsam, sich mit der indischen Art der Verhandlungsführung und Konfliktlösung auseinander zu setzen, die unseren Gewohnheiten in vielen Aspekten entgegen steht. Der Trainer muss sich immer ins Gedächtnis rufen, dass ein Unternehmen, dass nach Indien geht dort Geld investiert und langfristig Gewinne einfahren möchte, um es danach wieder im Land zu investieren oder diese zurück an die Muttergesellschaft zu transferieren. Um diese Ziele zu erreichen, spielen die Mitarbeiter die wichtigste Rolle. Diese sollten darauf vorbereitet werden, wie die Zielvorgaben in einem anderen kulturellen Kontext erreicht werden können. Es geht nicht so sehr darum, dass erfolgreiche Geschäfte in Indien von der richtigen Begrüßung abhängig wären oder eventuelle Fettnäpfchen wie einer Frau die Hand zu reichen, die Zusammenarbeit gefährden würden. Bei der interkulturellen Beratung geht es mir ganz klar um Business Prozesse, die in Indien angepasst werden müssen.  

Sie haben an deutschen Hochschulen Karrieretrainings zum Thema „Indien – Land der neuen Möglichkeiten: Praktikum, Studium und Berufseinstieg in einer anderen Welt“ geleitet. Worauf sollten Studenten achten, auf welche Kenntnisse kommt es an?

Peter C. Braun: Studenten sollten sich überlegen welches Praktikum beim weiteren Karriereweg hilfreich sein wird bzw. welche Fähigkeiten erlernt werden können, die an einer Universität nicht vermittelt werden. Eine Bewerbung in Indien läuft in aller Regel über informelle Wege und nicht über eine formelle Bewerbung, die man über das Internet abschickt. Kontakte und Netzwerke sind in Indien das A und O: sie bieten ungeahnte Möglichkeiten. So sollte man auch immer persönlich und telefonisch Kontakt mit dem potentiellen indischen Arbeitgeber aufnehmen. Denn in Indien möchte man genau wissen, wer die Kandidaten aus dem Ausland wirklich sind. Da reicht es selten aus, einfach mal eine Onlinebewerbung abzuschicken. Des Weiteren ist es wichtig, ein Praktikum und den Aufenthalt mit Begeisterung anzugehen. Die Lernerfahrungen in diesem besonderen kulturellen Umfeld werden einem auch in Deutschland neue Türen öffnen, da immer mehr Firmen internationale Fachkräfte beschäftigen und man die Indienerfahrungen in solche Strukturen sehr gut einbringen kann.

Die Entwicklung von Lösungen bei der Internationalisierung der Personalstruktur von Organisationen ist mittlerweile eine Kernaufgabe von Personalabteilungen größerer Unternehmen. Worauf kommt es an?

Peter C. Braun: Man sollte Internationalisierung nicht als Belastung, sondern als eine große Chance zu begreifen. Dabei ist es wichtig, Experten zu Rate zu ziehen, die in der Lage sind, die Potentiale interkultureller Teams und unterschiedlicher Arbeitsweisen herauszuarbeiten. Man sollte nicht glauben, dass es damit getan wäre, Arbeitnehmer aus dem Ausland zu rekrutieren und sie sich danach selbst zu überlassen. Eine intensive Betreuung der Fachkräfte bei dem Start in einem anderen Land, auch außerhalb des Arbeitsplatzes, ist essentiell. Das Bewusstsein dafür ist allerdings noch viel zu selten zu finden.

Neben Ihren ökonomischen Kenntnissen besitzen Sie durch entsprechenden wissenschaftlichen Hintergrund. Wie kann die Wissenschaft die Wirtschaft bei der Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit der dynamisch wachsenden asiatisch-pazifischen Region unterstützen?

Peter Braun: Eine Vernetzung zwischen der Wissenschaft und der Industrie ist immer wünschenswert. Indien erfordert multidisziplinäre Analysen und Betrachtungsweisen, da es ansonsten sehr schwer wird ein Gesamtbild über das Land zu bekommen. Empirische Studien zu der indisch-deutschen Zusammenarbeit in der freien Wirtschaft sind leider immer noch Mangelware und bieten sicherlich noch viel Interessantes, um Universitäten und Firmen stärker zu vernetzen.  

Im Rahmen einer Delegationsreise von indischen Managern nach Deutschland fand 2012 eine Kooperationsbörse in der Handelskammer Hamburg statt. Auf der Börse, die der Ostasiatische Verein in Kooperation mit Cognos International, dem German-Indian Round Table und der Handelskammer veranstaltete, trafen indische Führungskräfte auf interessierte deutsche Unternehmen. Worin bestanden die besonderen Interessen der indischen Delegation?

Peter C. Braun: Das Interesse der indischen Delegation bestand vornehmlich daran, einen Einblick in deutsche Unternehmen und deren interne Organisation zu bekommen. Des Weiteren ging es darum, die indischen Manager mit ihren deutschen Counterparts zusammen zu bringen und potentielle Geschäftsbeziehungen zu etablieren. Das Programm war sehr erfolgreich und hat das gegenseitige Verständnis für die Arbeitsweisen bzw. Unternehmenskulturen gefördert.  
 

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