Griechenland: „Tourismus bleibt 2014 Griechenlands Wachstumsmotor!“

Newsletter Februar 2014

interkulturelle-kommunikation-griechenland-newsletter-fix-international-services.jpgDeutsche Unternehmen sind, lt. Auswärtigem Amt, in Griechenland vor allem in Einzelhandel und Pharmaindustrie engagiert. Mit einem Handelsvolumen von über 6,4 Mrd. Euro ist Griechenland Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner. Die über 150 in Griechenland ansässigen deutschen Unternehmen stellen im Jahr 2012 ca. 33.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften ca. 8,2 Mrd. Euro. Seit 2010 drohte die in den Medien kontrovers geführte Staatschuldenkrise das traditionell gute Verhältnis zu trüben, seit Ende 2012 hat sich auf beiden Seiten das Bild wieder normalisiert. Griechenland hat 2013 erstmals einen Überschuss in der Leistungsbilanz geschafft. Vor allem dank des florierenden Tourismus lag dieser 2013 bei 1,24 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die starke Tourismussaison sorgte für Rekordeinnahmen von zwölf Milliarden Euro, ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2012. Experten erwarten, dass auch 2014 der Tourismus Griechenlands Wachstumsmotor bleiben wird. Dagmar Lohrenz leitet gemeinsam mit ihrem griechischen Ehemann Machos das international geschätzte Hotel Nefeli auf Korfu und berichtet im Interview über ihren griechisch-deutschen Alltag.
Rubrik: Interview

Dagmar Lohrenz, geboren und aufgewachsen in Hagen/Westfalen, studierte 1982-88 in Dortmund Grafik-Design und arbeitete anschließend als Grafikerin bei führenden deutschen Werbeagenturen in Düsseldorf und Hamburg. 1991 verliebte sie sich während eines Griechenlandurlaubs auf der Insel Korfu in Land und Leute und ist seit 18 Jahren mit dem Sohn einer griechischen Hoteliersfamilie verheiratet. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet Dagmar Lohrenz das Hotel Nefeli in Kommeno. Die Anlage liegt auf einer Halbinsel, 12 km von Korfu-Stadt entfernt.  Das familiengeführte Hotel besteht aus drei Gebäuden mit insgesamt 45 Zimmern und einer Junior-Suite.



Dagmar Lohrenz, Sie leben seit mittlerweile 20 Jahren auf Korfu und sind mit einem Griechen verheiratet, mit dem Sie gemeinsam ein Hotel leiten. Sind Sie heute mehr Griechin oder Deutsche?
Dagmar Lohrenz:  Ich bin doch ziemlich deutsch geblieben und sehe mich selber nach wie vor als Deutsche. Mit ein paar griechischen Anklängen…

Wie haben Sie die griechische Sprache erlernt?
Dagmar Lohrenz: Zunächst mit sogenannten „Selbstlernkursen“ – Bücher und Kassette! Gleich nachdem ich meinen Mann kennengelernt hatte, war die Motivation extrem hoch. Und so habe ich nach der Rückkehr nach Hamburg gleich mit dem ersten Sprachkurs angefangen. Die Sprache richtig gelernt habe ich aber erst, nachdem ich vor 20 Jahren nach Korfu gezogen bin. Denn dort war ich ständig von Griechen umgeben. Im Land lernt man schneller und leichter - und auch der „Druck“ ist höher. Denn es ist nicht schön, wenn man nicht mitbekommt, was um einen herum geredet wird, worüber die Leute lachen oder warum gescherzt wird? Das wollte ich schnell ändern! Wer sitzt schon gerne stumm in der Ecke?

Gibt es so etwas wie ein griechisches Lebensgefühl, das Sie schätzen?
Dagmar Lohrenz: Mich fasziniert das Talent, zu improvisieren. Und die Griechen können auch mal fünfe gerade sein lassen. Sie lieben die Gastfreundschaft und haben ganz einfach Spaß an der Kommunikation miteinander. Es wird immer und überall zusammen ein Kaffee getrunken – trotz Krise und Geldnot, die Cafés sind voll! Denn man tauscht sich lieber aus, als depressiv alleine zu Hause zu sitzen. Das finde ich durchaus positiv!
 
Was ist für die Griechen typisch griechisch?
Dagmar Lohrenz: Die undurchsichtige und unsinnige Bürokratie! Wenn man auf ein Amt geht, hört man um sich herum alle stöhnen. Die Leute schimpfen über den nicht vorhandenen Staat und ein nicht vorhandenes oder funktionierendes System. Dabei sind sie natürlich stolz  auf die antike griechische Geschichte und die großen griechischen Philosophen. Wir schätzen hier die Gastfreundschaft und den Zusammenhalt der Familie in diesen schwierigen Zeiten.

Was ist für Sie typisch deutsch?
Dagmar Lohrenz: Typisch deutsch ist für mich – als in Griechenland Lebende – ein hohes bzw. höheres Bewusstsein für Umweltschutz ( z.B. für Mülltrennung „in Perfektion“). Das aber auch,  „typisch deutsch“, wieder dazu führt, dass wenig Toleranz herrscht gegenüber den hiesigen Bedingungen. Der Deutsche fragt sich dauernd: Warum ist das hier nicht so wie in Deutschland? Warum stehen hier so viele unfertige Gebäude herum, warum liegt soviel Müll am Straßenrand etc. Da wünschen sich wohl viele Deutsche deutsche Bedingungen und Denkweisen – und ein griechisch sonniges Klima! Typisch deutsch ist für mich auch gute und effektive Organisation, Pünktlichkeit. Aber auch eine gewisse Pedanterie, die eher negativ rüberkommt, zum Beispiel die Gewohnheit, getrennt die Restaurantrechnung zu zahlen – selbst bei Paaren oder Eheleuten: so was erlebe ich im Hotel häufig. Und auch die Wahrnehmung des Reklamationsrechts und die maximale Ausnutzung ist bei uns natürlich, Hotelbedingt ein typisch deutsch auftretendes Thema. Wir haben mit keiner anderen Nation diese intensive Art des Briefwechsels über Mängel und Erstattung etc.

Welche Unterschiede zu seiner Heimat nimmt Ihr Ehemann wahr, wenn Sie mit ihm Ihre deutschen Freunde und Ihre Familie besuchen?
Dagmar Lohrenz: Machos sagt, es gibt kein griechisches Essen, aber viele Kartoffeln! Beim Treffen mit Freunden und Familie fällt ihm auf, dass in Deutschland ruhiger und besonnener diskutiert wird. In Griechenland wird häufig laut und heftig geredet. Man fällt sich ins Wort und hört dem anderen nicht unbedingt zu… 

Gibt es etwas, was Sie in Griechenland vermissen?
Dagmar Lohrenz:  Ja, den respektvolleren und verantwortungsvolleren Umgang mit Tieren und der Umwelt

Was schätzen Sie in Griechenland besonders? 
Dagmar Lohrenz: Die Herzlichkeit der Menschen, die Geselligkeit und das Wetter!

Was können die Deutschen von den Griechen lernen?
Dagmar Lohrenz: Sie können sich anschauen, was Lebensfreude ist. Sie sollten die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Und dazu gehört auch eine gewisse Gelassenheit, um den Moment genießen zu können. In Ihrem Hotel Nefeli auf Korfu beherbergen Sie Gäste aus aller Welt.

Gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Nationen – und welche davon erkennen Sie auf den ersten Blick?  
Dagmar Lohrenz: Es gibt schon Unterschiede! So sind unsere deutschen Gäste im allgemeinen sehr höflich, ordentlich in den Zimmern, gehen pfleglich mit den Sachen um, halten sich an gültige Essenszeiten etc.
Wohingegen z.B. die Italiener und Griechen NIEMALS pünktlich zum Frühstück erscheinen, aber trotzdem mittags um zwölf noch gerne eines haben wollen… Die Südeuropäer sind im allgemeinen auch eindeutig lauter, da temperamentvoller, das ist einfach so. Unsere griechischen Gäste legen sehr großen Wert auf einen Fernseher im Zimmer, ohne TV können sie nicht schlafen! Die deutschen Gäste interessiert das herzlich wenig – die meisten machen das TV-Gerät gar nicht an. Holländer und Engländer sind im allgemeinen sehr gute Gäste an der Bar – sie trinken im Urlaub gerne und viel und achten nicht auf die Rechnung. Griechen und Italiener wiederum wollen beim Essen richtig genießen und aus den Vollen schöpfen. Da wird bestellt, bis der Tisch zusammenbricht – ans Sparen mag man da nicht denken. Deswegen gibt es auch nur 3-5 Urlaubstage für den griechischen Gast. Die aber will er in vollen Zügen genießen! Die deutschen Gäste dagegen bleiben lieber länger. Sie achten deshalb sehr auf ihr Budget. Da wird lieber ein warmes Bier aus dem Supermarkt auf dem Balkon getrunken, als den doppelten Preis für ein gekühltes an der Bar zu trinken. Gute Umsätze sind mit unseren deutschen Gästen weder an der Bar noch im Restaurant zu machen. Der Deutsche ist Weltmeister im Sparen und Haushalten.

Worin besteht für Sie die besondere Herausforderung, damit sich alle Gäste im Hotel Nefeli wohlfühlen?
Dagmar Lohrenz:  Jeder Gast, der anreist hat sich ein bestimmtes Bild vom Hotel, dem Garten und dem Zimmer gemacht, das er im Urlaub beziehen wird. Dieses Bild wird von Fotos aus den Prospekten und dem Internet entwickelt. Nun gilt es, diesem Bild standzuhalten und die Erwartungen zu erfüllen. Da heißt es, immer ein offenes Ohr haben und – wenn etwas nicht machbar ist – diplomatisch eine andere Lösung vorschlagen. Am schlimmsten ist ja ein Gast, der unzufrieden abreist. Aber man selber ist ja auch nur „Mensch“ und muss so manchmal tief Luft holen, um nicht die Geduld oder die guten Sitten zu verlieren bzw. zu vergessen… Als Unternehmer hat man ja auch nur einen bestimmten Kostenrahmen, innerhalb dessen man Gästewünsche erfüllen kann. Manches, was der Gast sich so einfach vorstellt, ist schlichtweg nicht finanzierbar. Und das will dann auch vermittelt werden!

Gibt es einen idealen Gast für Sie? Wie sollte sich der gegenüber Ihrem Personal verhalten?  
Dagmar Lohrenz: Ein idealer Gast ist im Prinzip ein Gast, den ich nur beim Ein-und Auschecken sehe, der sich in der Zwischenzeit sehr wohlfühlt im Hotel, aber selbstständig ist und keine Hilfe oder Beratung braucht – hochzufrieden abreist, das Hotel weiterempfiehlt bei Freunden und auch im Internet. Besonders nett sind natürlich Gäste, mit denen ich ein wenig Kontakt habe. Ein nettes, kurzes Gespräch an der Rezeption und ein bisschen persönlicher Kontakt. Das müssen nicht gleich ganze Lebensgeschichten sein. Das ist schon schön und macht die Arbeit an der Rezeption interessant. Das Verhalten gegenüber dem Personal ist dann ideal, wenn es respektvoll ist und der Service mit einem Trinkgeld honoriert wird.
 
Können Sie sich vorstellen, später einmal wieder in Deutschland zu leben? 
Dagmar Lohrenz: Da ich über all die Jahre viele Kontakte in Deutschland gehalten habe und auch jeden Winter einige Wochen dort verbringe, erscheint mit das nicht weiter schwierig und durchaus vorstellbar.
 
Die Staatsschuldenkrise nimmt in deutschen Medien seit 2010 breiten Raum ein, als die griechische Regierung die am 23. April 2010 offiziell Finanzhilfe beantragte. Macht sich diese Krise auch in Ihrem Alltag bemerkbar?
Dagmar Lohrenz: Ja, auf jeden Fall. Angefangen von sich nun stetig ändernden Regelungen und Steuergesetzen, über neu eingeführte Steuern und Abgaben bis hin zu Geschäften, die in großer Zahl schließen, weil die Leute kein Geld mehr haben, um Anschaffungen zu machen. Es gibt leider auch Fälle von Verarmung und wirtschaftlicher Not von Bekannten bzw. Familien im Bekanntenkreis. Die Staatsschuldenkrise und die Arbeit und die Forderungen der Troika sind hier in den Medien seit 2010 dauerpräsent. Keine Nachrichtensendung und keine Tageszeitung in der nicht ein Thema aus diesem Bereich auf der Titelseite steht. Fast ist es so, als gäbe es keine anderen Themen mehr. Das ist manchmal schon ermüdend….

Sie arbeiten von Mai bis Oktober mehrere Monate ohne Pause für das Wohl Ihrer Gäste und machen dann nach Abschluss der Feriensaison selbst Urlaub an den verschiedensten Orten der Welt. Was macht für Sie und Ihren Mann einen guten Urlaub aus und was schätzen Sie beim Personal in Hotels besonders?
Dagmar Lohrenz: Ein guter Urlaub bedeutet für mich, Zeit zu haben und die Ruhe zu finden um zum Beispiel mit Muße ein Buch zu lesen, Freunde zu treffen und ganz andere Dinge zu hören und zu erfahren, als das, was uns selber übers Jahr beschäftigt. Das Reiseziel ist eigentlich gar nicht so wichtig, es muss nicht exotisch weit weg sein. Im Hotel wünsche ich mir einen freundlichen und höflichen Service. Ansonsten Zurückhaltung – denn harmlose Small-Talk-Gespräche führe ich selber genügend im Laufe des Sommers….

Teilen Sie die Einschätzung von Experten, dass auch 2014 wieder eine gute Saison wird und der Tourismus Griechenlands Wachstumsmotor bleibt? 
Dagmar Lohrenz:  Ja, die Meinung teile ich! Die uns bisher vorliegenden Buchungszahlen für unser Hotel Nefeli in Korfu bestätigen das in vollen Umfang. Wir freuen uns auf eine wunderbare Saison und tolle Gäste aus allen Nationen!

Kontakt: www.hotelnefeli.com


Download Dagmar Lohrenz, Tourismus bleibt Griechenlands Wirtschaftsmotor, Fix International Services

zurück zum Newsletter