Interkulturelle Kommunikation Dänemark - PATRICK HOWALDT - „Ich bin ein Europäer!“

Newsletter November 2013

Interkulturelle Kommunikation Dänemark, Interview Patrick Howaldt, Newsletter Fix International ServicesZwischen dem Königreich Dänemark und Deutschland bestehen traditionell gute nachbarschaftliche Beziehungen. Enge Verbindungen gibt es auch im Geschäftsleben. Lassen sich Unterschiede im Arbeits- und Führungsverhalten feststellen, trotz der wirtschaftlichen und kulturellen Nähe? Patrick Howaldt erläutert im FIX NEWSLETTER- Interview, wo es kleine Mentalitätsunterschiede im Arbeits- und Führungsverhalten zu beachten gilt, warum er seine Familientradition schätzt und welche Eigenschaften ein guter Manager braucht - und wie man Segelweltmeister wird.
Rubrik: Interview mit Patrick Howaldt

Patrick Howaldt, 1956 in Rotterdam/Niederlande geboren, entstammt der berühmten norddeutschen Werftdynastie Howaldt. Er wuchs in der Schweiz auf, studierte in St. Gallen Betriebswirtschaft und begann seine Karriere beim Beratungsunternehmen McKinsey in der dänischen Hauptstadt. Patrick Howaldt ist mit einer Dänin verheiratet und lebt seit über 30 Jahren mit deutschem Pass in Kopenhagen. Mittlerweile ist er im Investmentbereich erfolgreich selbstständig und bekleidet darüber hinaus Aufsichtsratsmandate in verschiedenen Unternehmen. 2011 wurde Patrick Howaldt, der in Fachkreisen als Ausnahmesegler gilt,  auf seiner Yacht „Vanity V“ Weltmeister in der Zwölf-Meter-Klasse, der Königsklasse der Segelyachten.



Herr Howaldt, Sie wurden in Rotterdam geboren, haben einen deutschen Pass,  studierten in der Schweiz, sind mit einer Dänin verheiratet und leben seit über 30 Jahren in Kopenhagen. Welche Vorteile hat ein multinationaler Hintergrund?

Patrick Howaldt: Ich bin ein Europäer, das hat einen Riesenvorteil! Denn ich verfüge über ein Netzwerk in vielen Ländern und kenne überall Leute. Ich kenne mich in unterschiedlichen Kulturen aus und weiß deshalb um die entsprechenden „do‘s and dont‘s!“   

Sie leben seit über 30 Jahren in Dänemark. Gibt es so etwas wie ein dänisches Lebensgefühl, dem Sie sich angepasst haben?

Patrick Howaldt: Das hängt wohl davon ab, wen man fragt! Meine deutschen und schweizerischen Schul- und Studienfreunde finden, dass ich mich dem dänischen Lebensstil bereits sehr stark angepasst habe. Darüber hinaus behaupten sie, ich hätte einen leichten dänischen Akzent – was natürlich gar nicht stimmt (lacht). Auch die Dänen sind wohl der Meinung, dass ich mittlerweile gut integriert bin. Ich selbst lege allerdings nach wie vor Wert darauf, ein Deutscher zu sein, also ein Ausländer. Denn in den letzten Jahren gibt es auch in Dänemark Ausländerfeindlichkeit. Sie ist zwar weniger gegen Europäer gerichtet, als gegen Menschen mit einem anderen ethnischen Hintergrund. Aber diese nationalistische Tendenz gefällt mir nicht.

Was ist für die Dänen typisch deutsch?

Patrick Howaldt:  Die Dänen mögen die Deutschen eigentlich schon, dies hat sich in den letzten 5-7 Jahren weiter zum Positiven gewandelt. Je länger der 2. Weltkrieg zurückliegt, desto einfacher wird es. Es werden mehr deutsche Ausdrücke benutzt, oft werden diese im komischen Zusammenhang gebraucht. Die sehr klare und im Vergleich zum Dänischen sehr harte Deutsche Sprache finden die Dänen interessant.

Was ist für Sie typisch dänisch?

Patrick Howaldt: Eine entspannte Lebenseinstellung und ein sehr direkter und offener Umgang miteinander. Hinzu kommt eine gewisse Tendenz zum Besserwissen…

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei dänischen Managern?

Patrick Howaldt: Sie handeln schnell, unbürokratisch, direkt und ergebnisorientiert.
 
Was schätzen dänische Manager an deutschen Managern – und wo gibt es Probleme?

Patrick Howaldt: Deutsche Manager stehen zu ihrem Wort. Ist eine Entscheidung gefallen, wird sie umgesetzt. Es gibt keine langen Nachverhandlungen mehr. Aus der dänischen Perspektive ist das allerdings oft mit hierarchischen und formalen Strukturen verbunden. Deshalb empfinden die Dänen den Weg zur Entscheidungsfindung bei den Deutschen als langwierig. Zudem sind Dänen oft überrascht, dass deutsche Mitarbeiter nur ungern Verantwortung übernehmen, selten selbstständige Entscheidungen treffen und stattdessen lieber auf Anordnungen warten. In Dänemark ist das anders. Hier muss man die Teams eher bremsen!

Lässt sich beschreiben, auf welchen Grundlagen Ihre unternehmerischen Entscheidungen beruhen?  

Patrick Howaldt: Ich habe meine Karriere bei McKinsey begonnen. Dort lernt man früh eine extrem analytische Herangehensweise, oft fast zu analytisch. Ich persönlich bin ein optimistischer Mensch und vertraue freundlichen Menschen – manchmal zu sehr…  

Gibt es Gemeinsamkeiten, über die gute Manager auf aller Welt verfügen?  

Patrick Howaldt: Ja, auf jeden Fall! Überall, wo ich tätig war und bin, zeichnen sich die erfolgreichen Menschen dadurch aus, dass sie leidenschaftlich für Ihre Ziele arbeiten, nicht nur in der Wirtschaft. Sie sind zielstrebig und fokussiert. Die meisten stehen morgens sehr früh auf und arbeiten hart. Einige wenige schaffen es allerdings auch nach dem Motto „work smart, not hard“. Erfolgreiche Manager verfügen über eine große, manchmal auch unangenehm große Portionen Durchsetzungskraft.

Was unterscheidet einen guten Unternehmer von einem guten Manager?

Patrick Howaldt: Meine eigene Erfahrung ist, dass der Unternehmer eine grenzenlose Loyalität zu seinem Unternehmen hat. Das betrifft seine Mitarbeiter genauso wie den Kern seiner Firma, ob dies eine Technologie ist, eine Marke oder ein Konzept. Der Unternehmer kann sich nicht den Luxus leisten, über persönliche Alternativen und andere Karrierewege nachzudenken. Denn er ist auf Gedeih und Verderb mit seinem Unternehmen verbunden. Er wird dadurch weniger zynisch. Und er ist vorsichtiger, langfristige Beziehungen aufs Spiel zu setzen. Aus meiner Sicht brauchen wir viel mehr begabte Unternehmer. Das sollte systematisch gefördert werden!

„Deutschland gegen Dänemark“ lauteten die Finalbegegnungen der Rolex Baltic Week 2011 – unter dänischer Flagge wurden Sie Weltmeister? Kein schlechtes Gewissen?  

Patrick Howaldt: Nein, überhaupt nicht. Das war eher ein Kampf zwischen mir, meiner Vanity-Crew und Wilfried Beeck und seiner Trivia-Crew.

Was macht beim Segeln eine gute Crew aus? Ist Vielfalt beim Segeln ein Vorteil oder sind homogene Teams besser?

Patrick Howaldt: Man braucht Beides. Auf einem größeren Schiff braucht man eine Vielfalt unterschiedlicher Qualifikationen. Dazu zählen körperliche Voraussetzungen, spezifische Skills und Erfahrung, genau so wie ein guter Mix persönlicher Qualitäten. Zu viele starke Egos harmonieren übrigens nur schwer. Denn wir brauchen integrierende Personen. Aber wir brauchen auch Autoritäten, die auf der Basis von Kompetenz und nachweislichem Erfolg den Kurs vorgeben.

Welche Eigenschaften braucht ein herausragender Skipper?

Patrick Howaldt: Ich glaube, gute Skipper gibt es in verschiedenen Versionen. Auf kleineren Schiffen ist der Skipper oft sowohl Rudergänger als auch Taktiker. Er muss dort beides perfekt beherrschen. Auf größeren Schiffen – wie bei uns mit 15 Mann – entspricht seine Rolle eher der eines mitspielenden Fußballtrainers. Der Skipper setzt das Team, spielt dort eine spezifische Rolle und fällt die ultimative Entscheidungen. Auch hier gibt es unterschiedliche Modelle. Oft steuert der Skipper, oft ist er der Taktiker, seltener hat er eine Rolle außerhalb der Kommandozentrale. Seine Autorität bezieht der Skipper durch seine Kompetenz und sein Händchen für das richtige Team. Und natürlich ist er auch als Motivator wichtig – nicht zuletzt nach Enttäuschungen.  

Sie entstammen der berühmten norddeutschen Werftdynastie Howaldt. Alle drei Jahre findet seit 1976 ein Familientreffen statt, 175 Jahre nach Gründung der Maschinenbauanstalt und Eisengießerei Howaldt & Schweffel. 2013 kamen 146 Mitglieder Ihrer Familie zusammen. Was bedeutet Ihnen diese Tradition?

Patrick Howaldt: Sehr viel! Zwar hat die Werft seit bald 100 Jahren nichts mehr mit der Familie zu tun, obwohl sie bis vor kurzen noch immer den Namen trug – und dies sicher mit dem nächsten Gesellschafter auch sicher wieder tun wird. Aber für uns bedeutet die Familie eine gemeinsame Geschichte. Und Howaldt ist der gemeinsame Name, der die Familie vereint. Darauf sind wir stolz!

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