Interkulturelle Kommunikation Chile - KARLA BERNDT - "Geschäfte mit Geschmack, Chile mit Genuss"

Newsletter Oktober 2012

Karla Berndt, Handelskammer Chile, Newsletter Fix International ServicesBei großen, global agierenden Investoren stehen die sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) im Focus. Doch bekanntlich lohnt oft auch der Blick zur Seite. Für viele Unternehmer ist Chile noch ein Geheimtipp. Mit einer Länge von ca. 4300 km und einer durchschnittlichen Breite von nur ca. 200 km ist es eines der ungewöhnlichsten Länder der Welt, etwa so groß wie die Staaten Deutschland (im Vergleich: 357.021 km2), Österreich, die Schweiz und Italien zusammen. Die wichtigsten Branchen sind der Bergbau, die Land- und Forstwirtschaft, die Fischerei und der Tourismus. Zunehmend wird in den Ausbau der Infrastruktur sowie in erneuerbare Energien und Energieeffizienz investiert.
Rubrik: Interview mit Karla Berndt, Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer

Karla Berndt ist Journalistin aus Deutschland, lebt seit 25 Jahren in Santiago de Chile und leitet dort die Unternehmenskommunikation der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer. Daneben ist sie Mitglied des chilenischen Gastro- und Weinkritikerverbandes und beobachtet schon lange die gastronomische Szene Chiles, die sich seit Beginn der 90er Jahre rasant entwickelt hat. Karla Berndt hat unter anderem vier dreisprachige Restaurant- und Tourismusführer für Manager veröffentlicht. Für deutsche Leserinnen und Leser ist ihr Standardwerk „Die chilenische Küche“ zu empfehlen.



„Einzigartige Geographie, tolles Klima, günstige Investitionsbedingungen!“  

Karla Berndt, Sie leiten die Kommunikationsabteilung der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer. Worin besteht die Aufgabe der Institution?     

Karla Berndt: Grundlegendes Ziel der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer ist die Förderung des wirtschaftlichen und technologischen Austausches zwischen beiden Ländern. Die AHK Chile ist Teil eines weltweiten Netzes von mehr als 100 binationalen deutschen Kammern und Delegiertenbüros.

Was spricht für Chile aus der Perspektive von Investoren oder Firmengründern?  

Karla Berndt: Chile bietet im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern sehr viele Vorteile für ausländische Investoren. Wirtschaftliche und politische Stabilität, eine offene, liberale Wirtschaftsordnung mit einer großen Zahl an Freihandelsabkommen sowie eine niedrige Korruptionsrate und die strategische Lage des Landes als „Tor zum Pazifik“ bieten deutschen Unternehmen gute Bedingungen für einen Markteinstieg. Zum anderen wurden durch die chilenische Gesetzgebung günstige Voraussetzungen für Investitionen geschaffen. Auf dem relativ kleinen Binnenmarkt sind internationale Firmen mit Rang und Namen aktiv, daher gilt Chile auch als „Testmarkt“ und Plattform für einen Einstieg in die Nachbarländer.
Als besonders vorteilhaft hat sich in diesem Zusammenhang die Tatsache erwiesen, dass eine Beteiligung von ausländischen Investoren an chilenischen Firmen ohne Beschränkung möglich ist. Auf diese Weise kann ein Investor von dem vor Ort schon bestehenden Erfahrungsschatz auf allen Ebenen voll profitieren.

Was sollten Deutsche bedenken, die dauerhaft in Chile leben möchten?  

Karla Berndt: Bei einer Auswanderung nach Chile und der Arbeitsaufnahme müssen natürlich landestypische Besonderheiten beachtet werden. Zwar kann Chile seit Jahren ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum verzeichnen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man die sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mit denen in Deutschland vergleichen kann. Die durchschnittlichen Gehälter für Angestellte, auch für Akademiker, liegen vielfach weit unter denen in Europa. Darüber hinaus gilt es zu bedenken: bei dauerhaftem Aufenthalt fallen neben den normalen Lebenshaltungskosten auch vergleichsweise hohe Ausgaben für die medizinische Betreuung und vor allem für die Schul- und Universitätsausbildung der Kinder an, vor allem, wenn man den europäischen Standard halten möchte. Zudem existieren deutliche Unterschiede im Lebensniveau zwischen dem Großraum Santiago und industriellen Ballungsgebieten um Concepción, Valparaíso und den Bergbauzentren im Norden im Vergleich mit den anderen Regionen des 4000 Kilometer langen Landes.   

Chilenischer Wein ist längst auch in Deutschland sehr beliebt. Warum?  

Karla Berndt: Die einzigartige Geographie Chiles und seine hervorragenden klimatischen Bedingungen ermöglichen die Produktion qualitativ hochwertiger und weltweit gefragter Lebensmittel und Gourmetprodukte. Gesunde und nachhaltig produzierte Waren haben zum dynamischen Wachstum des Lebensmittelsektors geführt. Dabei ist die Weinindustrie neben dem Bergbau eine der wichtigsten Exportbranchen Chiles. Das zentrale Längstal ist durch die Andenkordillere geschützt und erhält andererseits feuchtkühle Luftströmungen vom Pazifik. Der lange, warme Sommer trägt weiterhin zur besonderen Qualität der Weine bei.   

Die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer kümmert sich nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern veröffentlicht auch Gastroführer. Warum?

Karla Berndt: Nach dem Restaurantführer „Geschäfte mit Geschmack“, dem Hotelführer „Geschäfte mit Glamour“ und dem Freizeitführer „Geschäfte mit Vergnügen“ richtet sich die vierte  Publikation unserer Reihe erneut an Unternehmer und Manager, um bei der richtigen Auswahl eines Restaurants, Hotels oder Reiseziels in Chile zu helfen. Dies ist eine zusätzliche Dienstleistung, denn hier kann die richtige – oder falsche - Entscheidung mitunter ausschlaggebend für einen erfolgreichen Geschäftsabschluss sein.

Sie kennen die chilenischen Kochkünste und haben mit Ihrer Berliner Kollegin Birgit Heitfeld das vielgelobte Kochbuch „Die chilenische Küche“ geschrieben, das mittlerweile als Klassiker gilt. Welches chilenische Gericht können Sie unseren Lesern empfehlen?

Karla Berndt: Auch in Europa spricht sich die Vielfalt der erstklassigen, landestypischen Produkte allmählich herum. Die chilenische Küche kennt Languste, Seehecht, Königskrabbe und Qualitätsmuscheln genauso wie Kerbel, Kürbis und Quinoa oder Lammfleisch aus Patagonien, reife Papayas und die fremdartig anmutenden Chirimoyas. Ich empfehle Ihnen ein traditionelles Gericht: Pollo marinero, ein deftiger Eintopf mit Huhn und Meeresfrüchten.

Und welche deutschen Gerichte würden Sie Ihren chilenischen Freunden bereiten, wenn die Sie darum bitten?

Karla Berndt: Gulasch mit Klößen und Rotkohl findet immer viel Beifall, aber auch  deutscher Kuchen, vor allem der Apfelstrudel.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an den Chileninnen und Chilenen besonders?  

Karla Berndt: Die Chilenen sind sehr offen und freundlich, hilfsbereit und flexibel. Sie sind Meister im Improvisieren und stellen sich schnell auf unerwartete Situationen ein. Chile ist ein vulkanisch sehr aktives Land, und bei den häufigen Erdbeben zeigt sich immer wieder die solidarische Einstellung der Bevölkerung.

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