Interkulturelle Kommunikation Indien - SUJATA BANERJEE - „Auch Elefanten sind kraftvolle Tiere!“

Newsletter November 2011

Sujata Banerjee, Auch Elefanten sind kraftvolle Tiere, Interview Fix International ServicesSujata Banerjee war Referentin beim Fix International Business Forum am 20. Oktober in Hamburg und Teilnehmerin der Podiumsdiskussion. Im Interview blickt sie auf die Veranstaltung zurück und beleuchtet die Herausforderungen in der deutsch-indischen Zusammenarbeit. Denn für immer mehr deutsche Unternehmen ist Indien mittlerweile wichtiger als der deutsche Markt. Doch auch zahlreiche indische Unternehmen entdecken Deutschland für ihre Investitionen.
Rubrik: Interview mit Sujata Banerjee, Trainerin & Coach für Interkulturelle Managementkompetenz

Sujata Banerjee wurde als Tochter indischer Eltern in Heidenheim/Brenz geboren und besitzt die indische Staatsangehörigkeit. Sie hat zwei Wohnsitze, in Heidenheim und Pune. Sie ist  Consultant, Trainerin, Coach und Dozentin. Zu ihren Trainingsschwerpunkten gehören  Interkulturelles Management, Strategische Kommunikation und diverse Länderschwerpunkte, darunter Indien und Deutschland. Nach ihrem Abitur absolvierte Frau Banerjee ein Magisterstudium mit dem Hauptfach der Allgemeinen Rhetorik an der Universität, Tübingen bei Prof. Walter Jens. Ihre Projekte führen sie seit fast 20 Jahren nach Indien, Südostasien, den Mittleren Osten und in europäische Länder u.a. für Siemens, Sandoz, Robert Bosch, SAP, Knorr Bremse, Lufthansa Technik, Thermax India, Delhi Metro etc. Frau Banerjee ist Lehrbeauftragte an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Mannheim an den Fakultäten für International Business und International Business Information Technology. Sie ist ebenfalls beteiligt an Kooperationsprojekten mit der Symbiosis University, Pune.

Frau Banerjee war am 20. Oktober Teilnehmerin des FIX International Business Forum „TANZ MIT DEM TIGER - Interkulturelle Herausforderungen im Indien-Geschäft“ im Haus der Wirtschaft, das im Rahmen der Hamburger India Week 2011 stattfand.



Frau Sujata Banerjee, Sie waren Referentin beim Fix International Business Forum „Tanz mit dem Tiger - Interkulturelle Herausforderungen im Indien-Geschäft“ und Teilnehmerin der Podiumsdiskussion. Wie lassen sich ihre Eindrücke zusammenfassen?

Sujata Banerjee: Hamburg ist eine Wirtschaftsmetropole, Geschäfte mit Indien haben hier eine lange Tradition. Das Fix International Business Forum war für die diesjährige India Week wichtig, weil dort über die wirtschaftlichen Eckdaten hinaus die Bedeutung interkultureller Fragestellungen in den Mittelpunkt rückte. Die Referenten haben diese Aspekte von ihren jeweiligen Standpunkten aus praxisnah herausgearbeitet. Sehr spannend war die engagiert geführte Diskussion. Auch, weil es dabei um die Perspektive ging: Ist die indische wirtschaftliche und soziale Dynamik eher mit einem Tiger als mit einem Elefanten vergleichbar? Es gibt viele Meinungen über Indien!  

Welche Position nehmen Sie ein?

Sujata Banerjee: Mir gefällt das Bild des indischen Tigers, obwohl er unser Nationaltier ist eigentlich nicht als Sinnbild einer wirtschaftlichen Entwicklung. Ich würde mir bei der Entwicklung der indischen Wirtschaft eine langsame, nachhaltige Bewegung wünschen - eher dem Elefanten entsprechend. Wobei auch Elefanten nicht unterschätzt werden sollten, weil sie kraftvolle Tiere sind.

Muss man Indien fürchten?

Sujata Banerjee: Natürlich nicht! Die Inder sind sehr gastfreundliche Menschen. Niemand aus Angst ein interkulturelles Training besuchen. Denn es geht nicht um Unsicherheitsvermeidung, sondern um Neugier, Entdeckerfreude und ein Verhaltensinstrumentarium, das es zu erproben gilt. Es geht darum, Kommunikation zu üben und die Reichweite der eigenen  Antennen zu erhöhen.

Wie lässt sich die Fähigkeit beschreiben, in einer fremden Kultur erfolgreich agieren zu können?

Sujata Banerjee: Bettina Kertscher hat in ihrer Einführungsrede von Weltklugheit gesprochen, ein Begriff, den ich toll finde! Das Wort hat schon der Philosoph Adolph Freiherr von Knigge im 18. Jahrhundert verwendet. Doch Knigges Lehre hat, anders als viele Menschen glauben, nichts mit dem Austauschen von Visitenkarten und dergleichen zu tun. Weltklugheit meint einen Mix aus emotionaler, sozialer und intellektueller Bildung. Da geht es darum, voneinander Lernen zu wollen und zu können. Kultur ist immer ein Reservoir, ein Prozess, und nichts Statisches. Interkulturelle Kompetenz, das muss man immer wieder betonen, ist nicht nur ein wichtiges Werkzeug für erfolgreiche Geschäfte im internationalen Rahmen, sondern bereichert auch die Persönlichkeit. Dazu gibt es ein schönes deutsches Sprichwort: „Der kürzeste Weg zu sich selbst führt um die ganze Welt herum!“

Woran erinnern Sie sich besonders gern, wenn Sie an den Fix International Business Talk denken?

Sujata Banerjee: Alle Teilnehmer waren sehr engagiert. Vielleicht auch, weil wir ein neugieriges und sehr interessiertes Publikum hatten. Die Veranstaltung hat fast drei Stunden gedauert – und die Leute sind alle bis zur letzten Minute geblieben! Überdies hat mich auch gefreut, wie lebendig Rudolf Weiler, der Gründer des German-Indian Round Table, den Business Talk moderiert hat. Obwohl er als erfolgreicher Unternehmer auf eine jahrzehntelange Indien-Erfahrung zurück blicken kann und sicherlich viel über Indien weiß, hat er nie aufgehört, Entwicklungen und Veränderungen mit Offenheit zu verfolgen. Und für mich als Inderin gab es an dem Abend auch eine sentimentale Note, denn mit Surja Bose, der als erfahrener indischer Personalprofi referiert hat, verbindet mich eine gemeinsame Musiktradition aus unserer Kindheit: eine Liedkompositionen Tagores. Dabei wurde ich in der schwäbischen Alb geboren und Herr Bose in London. Wir haben die gleichen Klänge im Herzen!

Gibt es einen abschließenden Ratschlag, den Sie unseren Lesern geben können?

Sujata Banerjee: Umdenken! Es gibt deutsche Manager, die nie in Indien angekommen sind, trotz zahlreicher Reisen und Arbeitsaufenthalte. Bei ihnen viel Naivität mit im Spiel. Doch wer indische Gesprächspartner nicht mit ins Boot holt, wird auf das berühmt-berüchtigte “indische Schweigen” treffen. Indien ist ein investitionsintensives Land. Darauf ist man vorbereitet. Doch nicht genügend auf die Investitionen in die Menschen. Ein Konzern wie Bosch hat das sehr früh begriffen und erntet nun die Früchte dieses Engagements. Der Wert eines Unternehmens besteht nicht ausschließlich in den Produkten, sondern in den Menschen, die für es arbeiten. Darüber hinaus gilt beispielsweise in Indien stärker als in Deutschland das Senioritätsprinzip. Inder respektieren ihre Senioren, weil diese ihre Fehler überlebt haben und ihre Erfahrungen und Netzwerke weitergeben können. Es gibt in Indien sehr viel stärker als in Deutschland einen generationsübergreifenden Dialog. Krisen können  so besser überstanden werden. Oft ist das so, weil Personen, die erkennbar gar nicht mehr im Zentrum des Geschehens stehen, einen großen Einfluss auf geschäftliche Entscheidungen ausüben können. Das muss man immer im Auge behalten.


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