Verwirrter Gebärden-Dolmetscher auf Mandela-Trauerfeier

Newsletter Februar 2014

rubrik-ueberetzungen.jpgDer Anlass war traurig – doch der Augenblick schien skurril, die Situation hätte eine gewisse Komik. Denn während der Begräbnisfeier des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela sorgte ein Gebärdendolmetscher für massive Irritationen, nicht nur bei den Gehörlosen. Was auch immer die Redner bei der Trauerfeier für Nelson Mandela sagten: Der Gebärdendolmetscher wiederholte sich über Stunden, mit den immergleichen Gesten. Seine rechte Hand wies vom Körper weg, dann griff er sich an den Kopf und legte dann die Hände ineinander um anschließend wieder unbeweglich still zu stehen. Mimik, bei der Gebärdensprache ein zentrales Ausdrucksmittel, kam bei ihm nicht zum Einsatz. Mit steinerner Miene stand er auf der Bühne – unmittelbar neben Rednern wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon oder US-Präsident Barack Obama. Entsprechend empört zeigte sich denn zunächst auch die Sprecherin des südafrikanischen Gehörlosenverbandes, Delphin Hlungwane: „Nichts war richtig. Der Mann hat keine einzige Regel der Gebärdensprache befolgt. Es gab keine Grammatik und keine Sprachstruktur. Dieser Mann kannte nicht einmal das Zeichen für Nelson Mandela!" schimpfte sie nach der Trauerfeier. Vielen Gehörlosen auf der ganzen Welt fiel das merkwürdige Verhalten schon während der Live-Übertragung auf, seine Gesten ergaben nicht den geringsten Sinn. Auf Twitter meldeten sich bereits nach wenigen Minuten die ersten Vertreter von internationalen Gehörlosenverbänden.
Doch wer war dieser Gebärdendolmetscher, dem niemand folgen konnte? Die Auflösung erfolgte einige Tage später – und zeigte die Tragik, die dem Fall innewohnte. Denn zwar erklärte das südafrikanische Übersetzer-Institut, dass Thamsanqa Jantjie, so der Name des Mannes, durchaus ein anerkannter Dolmetscher gewesen sei. Doch ausgerechnet an dem Tag, an dem die Welt auf Südafrika schaute, litt der Mann unter psychischen Problemen. Deshalb wurde er kurz nach seiner spektakulären Performance von einer psychiatrischen Klinik nahe Johannesburg aufgenommen. Eigentlich hätte Thamsanqa Jantjie bereits am 10. Dezember, dem Tag der Begräbnisfeier, einen medizinischen Untersuchungstermin gehabt. Doch der wurde verschoben, „aufgrund der historischen Bedeutung des Ereignisses,“ wie Jantjie später einräumte. Er habe auf der Rednertribüne einen schizophrenen Anfall erlitten, habe Stimmen gehört und dann zu halluzinieren begonnen.  Darum bat er alle Menschen um Verzeihung, die sich durch seinen Auftritt beleidigt fühlten. Er könne sich allerdings nicht erklären, was den Anfall hervorgerufen hatte.   

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