Die Freundschaft in den Zeiten von Facebook & Co.

Newsletter Mai 2014

befreundete-inder.jpgBeziehungsaufbau per Mausklick? - Kann man mit Menschen befreundet sein, denen man noch nie begegnet ist? In sozialen Netzwerken geht das, per Mausklick. Seit sich die Social Networks im rasenden Tempo verbreiten, muss der Begriff Freundschaft in Tokio, New York, Rio und Berlin neu definiert werden. Aber wie viel Freunde braucht der Mensch?
Ob der Philosoph Aristoteles den Amerikaner Marc Zuckerberg und sein  Freundschaftsprinzip von Facebook begriffen hätte? „Die dem Freunde um seiner selbst willen Gutes wünschen, sind Freunde im vollkommenen Sinne. Derartige Freundschaften aber sind selten, da es Menschen dieser Art nur wenige gibt!“ fasste der griechische Klassiker 322 vor Christus seine Erfahrungen zusammen. Der Gedanke, dass eine private Freundschaft keinem Zweck und Nutzen dienen sollte, gehört zum Kern der meisten Definitionen des Begriffs, egal, ob sie sie von Philosophen, Soziologen oder Psychologen stammen. Eine Freundschaft nach den Vorstellungen des westlichen Kulturkreises entsteht und entwickelt sie sich auf Augenhöhe. Zu ihr gehört Vertrauen, Kritikfähigkeit und die Akzeptanz des anderen, „ich kenne dich – und mag dich trotzdem…!“  Freundschaft im Sinn von Aristoteles findet eine gute Basis, wenn eine Gesellschaft Freiheit und soziale Mobilität statt Hierarchien, Klassen und Kasten bietet. Allerdings hat die Vielfalt der Lebensstile in modernen Gesellschaften und die Individualisierung der Bedürfnisse einen so hohen Grad erreicht, dass eine einzige Freundschaft zur Abdeckung aller Lebensbereiche nur noch selten ausreicht. Deshalb nutzen Menschen eine immer größere Zahl an Kontakten. Forschungsergebnisse zeigen dabei, dass ein Zusammenhang zwischen Bildung und der Entstehung interkultureller Freundschaften besteht. Je gebildeter jemand ist, desto größer ist in den meisten Fällen seine Weltoffenheit und das Interesse, andere Kulturen und neue Menschen kennen zu lernen. „Die Globalisierung und die Internationalisierung machen es immer wahrscheinlicher, dass wir, zumindest phasenweise, in verschiedenen Ländern oder Kulturen leben. Doch die Forschung zu den Auswirkungen der Globalisierung auf die Entwicklung von interkulturellen Freundschaften steckt noch in den Kinderschuhen!“ berichtet Bettina Kertscher, Geschäftsführerin des Kommunikationsdienstleisters Fix International in Hamburg, „Offenheit und interkulturelle Sensibilität sind dann gute Voraussetzungen, damit lebendige Freundschaften entstehen!“   

Studien zu den Welt umgreifenden sozialen Netzwerken füllen dagegen schon ganze Regalmeter. So ist zu erfahren, dass der durchschnittliche Facebook-Nutzer 342 Facebook-Freunde hat, Freunde in aller Welt sind die Regel. Historisch gesehen sind wir noch Pioniere. Wir müssen die Abstufungen lernen zwischen der großen Schar eigentlich unbekannter „Freunde“, den beruflichen Kontakten, den Freunden und den besten Freunden. Ein amerikanisches Marktforschungsunternehmen ermittelte, dass ein Arbeitnehmer fast 60 Minuten für die Pflege seiner virtuellen Freundschaften aufbringt. Doch in wie viele Freunde soll man investieren? Verschiedene Kulturen beantworten diese Frage unterschiedlich. Amerikaner etwa setzen auf eine breite Netzwerkstrategie, Hunderte von Facebook-Freunden sind Pflicht. In Ghana jedoch gilt als dumm, wer sich mit zu vielen Freunden belastet, sie können einem schnell zur Belastung werden. Französische Forscher wollten deshalb durch Befragungen herausfinden, wie viele Freunde ein Mensch zu seinem Glück braucht. Demnach ist das ideale Netzwerk abhängig von ökonomischen Faktoren und der Mobilität. Wer häufig umzieht benötigt mehr Freunde, selbst wenn das nur lose Beziehungen sind. Wer hingegen sesshaft ist, sollte einige wenige enge Freundschaften pflegen, auf die er sich im Notfall verlassen kann. Finanziell schlechter gestellte Menschen sind der Studie zufolge mit wenigen sehr guten Freunden glücklicher. Je reicher die Befragten waren, so zufriedener machte sie ein großes Netzwerk. Wirklich gute Freunde haben die meisten Menschen jedoch höchstens fünf. 

Konkurrenz beginnt in Japan schon im Kindergarten!    

Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen haben ihre eigenen Regeln. Dies trifft für das Kennenlernen, aber auch die Entwicklung einer Freundschaft zu. Isolation ist dabei der Alptraum aller Expats. Denn vielen Expats gelingt es im Ausland nicht, näheren Kontakt zu Menschen vor Ort zu finden. Bestenfalls kommt es dann zu intensiveren Begegnungen innerhalb der Expat-Community. Dort sind alle Mitglieder in ähnlichen Situationen, ein verbindendes Element, das ein Gefühl von Zusammengehörigkeit erzeugt - wenn man schon den Zugang zu den Locals nicht findet. Häufig hört man dies beispielsweise von Managerinnen und Managern, die in Japan arbeiten. Sie klagen, wie schwer es sei, mit Japanern Freundschaft zu schließen. Die Gründe liegen in der Kultur begründet. Freundschaft hat in Japan andere Voraussetzungen als in Europa. Viele Japaner ordnen die Menschen nicht neben sich, sondern stets über oder unter sich ein. Das beginnt schon im Kindesalter, wo Japaner soziale Hierarchien und Konkurrenz schon im Kindergarten lernen. In Deutschland bestimmt im Gegensatz dazu die traditionell horizontal geregelte Sozialstruktur die Entwicklung von Freundschaften. Diese sind eher Beziehungen unter Gleichen. Darüber hinaus ist in Japan Freundschaft häufig nicht eindeutig dem öffentlichen oder privaten Bereich zuzuordnen. Im Job gibt es dort durchaus Freundschaften, etwa unter Kollegen, die in Betrieben gemeinsam ihre Ausbildung gemacht haben oder gemeinsam dort angefangen haben. Allerdings gilt es auch hier, die Hierarchie innerhalb der Freundschaft zu akzeptieren. Auch sollte niemand erwarten, von Japanern in deren Wohnung eingeladen zu werden. Oft sind diese sehr klein. Und als Gastgeber haben Japaner - besonders gegenüber Europäern - Angst, in Fettnäpfchen zu geraten.  

Ein überraschendes Ergebnis für die Wahl des „besten Freundes“ brachte übrigens eine Studie in Washington mit Studenten, die ihre Freundschaften bewerteten. Der wichtigste Faktor war demnach das gute Gefühl, vom besten Freund in der eigenen Identität anerkannt und bestätigt zu werden.     
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