Entsendungsvorbereitung: "Erfolgreiches Arbeiten und private Zufriedenheit im Ausland gehören zusammen!“

Newsletter Juni 2012

umzug-relocation.jpgGute Vorbereitung und etwas Vorfreude sind bei Auslandseinsätzen ideale Voraussetzungen. Trotzdem scheitern viele Missionen nicht aufgrund fachlicher Hürden, sondern weil frustrierte Expats oder ihre Familien niemals richtig im Entsendeland ankommen oder unrealistische Vorstellungen mitgebracht haben.
Wer beruflich ins Ausland geht, ist fachlich hoch qualifiziert. Doch jeder Expat erfüllt nicht nur berufliche Aufgaben. Menschen sind schließlich keine Maschinen, sondern müssen sich – oft mit Familie – im Entsendeland wohl fühlen. Doch wer ins Ausland wechselt, lässt in der Regel auch ein intaktes Netz an Freunden zurück. „Interkulturelles Training stärkt unsere Teilnehmer, damit sie im Entsendelend berufliche Ziele erfolgreich umsetzen können. Doch genauso wichtig ist die Entwicklung von Fähigkeiten, die ihnen helfen, auch im privaten Leben klar zu kommen,“  erklärt Bettina Kertscher, Geschäftsführerin von Fix International Services, „denn erfolgreiches Arbeiten und private Zufriedenheit im Ausland gehören zusammen.“ Welche Eigenschaften sollte man als Expat mitbringen, damit man diese Zeit als gewinnbringend erlebt?  „Man muss flexibel, kontaktfreudig und aufgeschlossen sein!“ Doch eine erschreckende Zahl macht den Unternehmen Kopfschmerzen: fast 50 Prozent der Entsendungen werden vorzeitig beendet. Insbesondere ungenügende Fähigkeiten zur Anpassung und persönlich-familiäre Probleme sind die wichtigsten Ursachen, gefolgt vom Boykott des Mitarbeiters durch einheimische Mitarbeiter. Denn die Realität vor Ort ist die dortige Bevölkerung. Das sind reale Kollegen, Vorgesetzte und Untergebene. Viele Expats und ihre Familien sind nicht auf die kulturellen Unterschiede vorbereitet. Sie beginnen in einer Phase der Desillusion, die Menschen abzuwerten. Als „Expat-Syndrom“ bezeichnet die sozialwissenschaftliche Forschung dieses Phänomen. Doch auch das Gegenteil ist problematisch: Wer die Kultur eines Landes idealisiert und dies bereits als Assimilation empfindet, gerät in Konflikte mit den Einheimischen, die dies als anbiederndes Verhalten erleben und ablehnen. „Je fremder uns eine Kultur ist, desto wichtiger sind interkulturelle Kompetenzen. Ich bin darüber hinaus sogar der Meinung, dass es auch für die Partner von Expats verpflichtend sein sollte, an entsprechenden Trainings teilzunehmen. Das ist kein Nice to have, sondern ein Must!“ erklärt Astrid Bischoff, die als Mitarbeiterin eines Autoteilezulieferers zahllose Expats unterstützt hat (siehe auch Interview). Wie man mit den Lebensbedingungen in der Fremde zurechtkommt, wollte das Buch „Globalisierung hautnah – Expatriates im Gespräch“ herausfinden. In 52 Portraits, die Einsatzorte der Portraitierten verteilen sich über die ganze Welt, werden die Erfahrungen geschildert. Ihre Einsatzorte verteilen sich über alle Kontinente, eine typische Erfahrung steuerte ein Mitarbeiter bei, der für Lufthansa Systems als Projekt Manager in Abu Dhabi tätig war: Aufgrund des unterschiedlichen sozio-kulturellen Hintergrunds war es für ihn schwierig, Freundschaften mit den Kollegen vor Ort zu schließen. „Entscheidend ist es, vorurteilsfrei, offen und neugierig in ein Land zu gehen. Sprachliche Grundlagen sind sehr wichtig und ein guter Weg, die Herzen der Menschen zu gewinnen!“ berichtet Katrin Brass, Leiterin des Bereichs Interkulturelles Training bei Fix International in Hamburg. Katrin Brass lebte und arbeite selbst einige Zeit in Shanghai und hat deshalb eine persönliche Empfehlung: „Wer den Alltag der Menschen kennen lernen möchte, sollte nach Möglichkeit in einer gemischten Gegend wohnen und nicht in der Expat-Community.“ Und sie fügt hinzu: „Das Leben in der Fremde enthält auch herausfordernde Phasen. Wer den Auslandsaufenthalt nur nutzen will, um beruflich aufzusteigen oder mehr Geld verdienen zu können, sollte sich angesichts der möglichen Schwierigkeiten ehrlich befragen, ob seine Motivation dafür ausreicht.“ 

So genannte Relocation-Agenturen helfen vielen Expats bei der Vorbereitung des Ortswechsels. Doch die professionellen Umzugshelfer können zwar den Papierkram erledigen und bei der Suche Kindergärten oder Ärzten behilflich sein und bei organisatorischen Fragen als Ansprechpartner fungieren. Was aber macht der Partner des Expats, der keine Arbeitserlaubnis hat? Häufig kehrt dann Leere, Langeweile und Frustration ein – denn aufgrund vorhandener Hausangestellte gibt es nicht mal dort etwas zu tun. Zwar genießen die Deutschen im Ausland als Manager meist einen sehr guten Ruf. Sie gelten, was ihre Arbeit betrifft, als gewissenhaft und fleißig. Im persönlichen Umgang allerdings besteht Nachholbedarf. Dort hält man sie für humorlose und steife Eigenbrötler. Und auch die sprichwörtliche deutsche Direktheit kommt häufig nicht gut an. Gewiss hängt es von der Persönlichkeit des Einzelnen ab, ob er in einer fremden Gesellschaft klar kommt. Offene Menschen bauen schneller Kontakt zu Kollegen oder Nachbarn auf, als introvertierte Tüftler. Aber selbst bei angenehmer Atmosphäre am Arbeitsplatz bleibt der private Kontakt häufig die Ausnahme: „Wir sind nie gemeinsam etwas trinken gegangen!“ berichten viele Expats, auch ihre Angehörigen haben ihr Anderssein zu spüren bekommen. „Die Kontakte zu den Einheimischen waren ganz nett. Sie blieben aber auf Distanz, wir gehörten nicht dazu, “ ist ebenfalls ein häufiges Statement nach der Rückkehr.

Trost in der eigenen Community

„Ich habe keinen Expat, getroffen, der keine Schwierigkeiten mit der anderen Kultur hatte!“ ist eine stereotype Klage, die für viele Entsendeländer gilt. In Beijing etwa  suchen frustrierte Expats am Ende oft Trost in der deutschen Community – sie treffen sich in einem Brauhaus, genießen deutsches Bier und verzehren ihre Mahlzeiten mit Messer und Gabel. „In allen Städten rund um den Globus gibt es Gemeinschaften, die aus deutschen Expats bestehen, wo regelmäßige Stammtische für den notwendigen seelischen Ausgleich sorgen“, weiß Bettina Kertscher. Wer soziale Kontakte mit Einheimischen knüpfen will, sollte realistisch bleiben, „während des gesamten Zeitraums habe ich nur einen einzigen Local als echten Freund gewonnen!“ resümierte die Mitarbeiterin eine Hotelkette in Dubai ihre Erfahrungen. So stellt sich bei Expats zunächst oft ein Gefühl der Isolation ein. Erfahrungsgemäß dauert es etwa drei Monate, bis sich die Expats und ihre Familien ein realistisches Bild von ihrer Situation gemacht haben. Dann beginnen sie, ihre private Zeit aktiv und den Möglichkeiten folgend zu gestalten. Sie sollten dabei nicht vergessen, ihr Freundesnetzwerk in der Heimat weiter zu pflegen damit nach der Rückkehr auch der Einstieg in ein erfülltes Leben schnell wieder gelingt.Download Auslandsentsendung, Beruflicher Erfolg und private Zufriedenheit, Newsletter, Fix International Services

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