Effizienz bei der BBC - „Make Me a German“

Newsletter August 2013

folie2.jpgIn Großbritannien war es für die Fernsehzuschauer ein Vergnügen, dass ein anerkennendes Interesse am gegenwärtigen Deutschland weckte. Für die TV-Station BBC war „Make Me a German“ ein Experiment, eine britische Familie mit zwei kleinen Kindern zog von London nach Nürnberg, in der fränkischen Metropole sollten sie ein Durchschnittsleben führen. Im Rahmen der TV-Dokumentation wollten die Macher wissen: Worin besteht eigentlich das Erfolgsgeheimnis der Menschen jenseits des Ärmelkanals? Warum ist Deutschland der Motor aller europäischen Volkswirtschaften und warum produzieren dessen Einwohner mehr Güter und Dienstleistungen, obwohl sie weniger arbeiten? Immerhin hatte selbst Premierminister David Cameron nach dem Besuch einer britischen Fabrik gemahnt, seine Landsleute sollten in ihrem Verhalten „ein bisschen deutscher" werden.
Um das Rätsel zu lösen, bezog das Ehepaar Justin und Bee Rowlatt mehrere Wochen eine Mietwohnung in Nürnberg. Justin zwängte sich manchmal in eine bayrische Lederhose, Bee trug bei Gelegenheit Dirndl. Sie nutzten ein deutsches Durchschnittsauto und vertilgten durchschnittliche Portionen Bier, Schweinefleisch und Kartoffeln. Während Ehemann Justin in einem mittelständischen Unternehmen Schreibgeräte lackierte, blieb die Frau –  was ihr gar nicht gefiel – zuhause: die deutsche Hausfrau arbeitet schließlich etwa vier Stunden pro Tag im Haushalt. Die Kinder besuchten einen Waldkindergarten, „eine großartige Sache!“
Justin entdeckte in seinem effizient organisierten Arbeitsfeld, dass die Deutschen die Arbeit in Gruppen lieben, etwas von der „deutschen Effizienz“ will er mit nach Hause nehmen, „es ist ganz einfach: keine Telefone. Keine persönlichen Anrufe vom Arbeitsplatz aus und keine SMS. Niemals. Ich musste an das vielstimmige Geplapper in den Büros denken, in denen ich gearbeitet hatte. Dort flimmerten die Websites irgendwelcher Social Medias ganz offen und frech auf den Bildschirmen!“ lautete ein Fazit. „Wir haben Deutschland mit einem Gefühl der Zuneigung wieder verlassen!“ resümierte Bee Rowlatt, „wenn es uns Briten gelingt, effizienter zu sein – wer weiß –, dann könnten wir die Deutschen eines Tages einholen.“  Zwar wurde Justin gerügt, weil er während der Arbeit mit seinen Kollegen plauderte und E-Mails las. Aber dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam Entscheidungen treffen, die der Allgemeinheit dienen, kommt auf der Insel noch nicht vor.  


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