Ein noch junger Beruf: Gebärdensprachdolmetscher

Newsletter September 2011

Internationaler Übersetzertag 2011, Fix International Services, Dolmetschen, ÜbersetzenErst seit den 80er Jahren begann sich das Gebärdensprachdolmetschen als noch vergleichsweise junge Profession in Deutschland zu etablieren. Doch mittlerweile ist die deutsche Gebärdensprache sprachwissenschaftlich, aber auch politisch anerkannt.
Rubrik: Übersetzung & Dolmetschen

Auch beim Gebärdensprachdolmetschen handelt es sich um Dolmetschen zwischen zwei „Sprachen“: die Arbeitssprachen der GebärdensprachdolmetscherInnen sind mindestens jeweils eine Laut- und eine Gebärdensprache. Die Aufgabe besteht in der Übertragung von Informationen zwischen der „hörenden“ und der „gehörlosen“ Welt. Um aber diese Inhalte dolmetschen zu können, müssen die Dolmetscher nicht nur die jeweiligen Sprachen beherrschen. Gefragt ist darüber hinaus auch Wissen über die jeweiligen kulturellen Hintergründe. Gebärdensprachdolmetscher müssen eine staatliche Prüfung  ablegen. Dafür existieren Gebärdensprachdolmetsch-Studiengänge bereits an den Universitäten Hamburg, Magdeburg und Zwickau. Berufsbegleitende Angebote macht zum Beispiel das Gehörloseninstitut Bayern. In Hamburg wurde der Diplom-Studiengang Gebärdensprachdolmetschen im 1993/94 als Modellversuch begonnen und 1996 fest etabliert. Das Studium, das in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen der Universität stattfindet, gliedert sich in sieben Schwerpunktbereiche: Soziologie, Linguistik, Theorie des Dolmetschens, Dolmetschtechniken, Textproduktion, Gebärdentechnik und Verwaltung. Der Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher sieht weiterhin - bei wachsenden Dolmetscheinsätzen und Anforderungen - in der qualifizierten Ausbildung die einzige Lösung, den Bedarf zu decken. Bundes- und Landesgesetze (SGB IX, Gleichstellungsgesetz etc.) bieten Gebärdensprachnutzern eine Grundlage, die Kommunikation per Gebärdensprachdolmetscher einzufordern. Die Tätigkeitsfelder der Absolventinnen und Absolventen sind so vielfältig wie die Lebenssituationen Gehörloser: Dolmetschtätigkeiten finden statt im Bildungsbereich (z.B. Schule, Ausbildung, Studium), im Arbeitsleben (z.B. Personalgespräche, Einarbeitungen, Besprechungen, Betriebsversammlungen), im Gesundheitswesen (z.B. Arztbesuche, Krankenhaus, Therapie), in der öffentlichen oder privaten Verwaltung (z.B. Behörden, Institutionen), in Einrichtungen der Wirtschaft oder im Sozialbereich sowie im Rahmen der Judikative und Exekutive (z.B. Gericht, Polizei, Rechtsanwaltskonsultationen).Gebärdensprachdolmetscher arbeiten freiberuflich oder im Angestelltenverhältnis.

Vielen Fehlern folgte die Professionalisierung
 
Zur Vermittlung zwischen Hörenden und Gehörlosen (bzw. Schwerhörigen und Ertaubten) wurden in früheren Jahren häufig Verwandte herangezogen - zumeist Kinder gehörloser Eltern, auch „natürliche Dolmetscher“ genannt. Darüber hinaus vermittelten u.a. auch Gehörlosenseelsorger, Gehörlosenlehrer oder Sozialarbeiter, die mit Gehörlosen arbeiteten oder deren Interessen vertraten. Allerdings kamen diese nichtprofessionellen Helfer schnell an ihre Grenzen, ihre Tätigkeit besaß allenfalls „Notdienstcharakter“. Die Professionalisierung  war die notwendige Folge vieler Fehler, die sich auf diesem niedrigen Niveau nicht vermeiden ließen.

Bereits in den 60er Jahren steuerte die Wissenschaft entscheidende Erkenntnisse bei: So wurde der Gebärdensprache der Status als eigenständige Sprache mit einer eigenen Grammatik zugewiesen, die sich elementar von der Lautsprache unterscheidet. Gleichzeitig zu den auf internationaler Ebene gewonnenen Forschungserkenntnissen setzte in der Gehörlosengemeinschaft eine bis heute andauernde Emanzipationsbewegung ein.


Download Ein noch junger Beruf: Gebaerdensprachdolmetscher

zurück zum Newsletter