Onboarding Deutschland: „Neue Mitarbeiter erleben einen kleinen Kulturschock!“

Newsletter Oktober

istock-000020523395medium.jpgDie Zahl der internationalen Recruitings deutscher Unternehmen steigt. Doch oft fühlen sich die umworbenen Fachkräfte aus Spanien, Russland, China oder Indien an ihren neuen Arbeitsplatz nicht wohl. Oder sie kommen – alleine oder mit Familie – mit den ungewohnten Gebräuchen in Deutschland nicht klar. Deshalb unterstützen immer mehr Unternehmen diese neuen Mitarbeiter bei der Eingewöhnung durch intensive Begleitung. Ist Onboarding ist das Gebot der Stunde, um Neulinge dauerhaft an Bord zu halten?
Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OSZE) lässt bei den Personalverantwortlichen in Unternehmen die Alarmglocken schrillen. Sie besagt, dass viele Zuwanderer aus EU-Ländern bereits innerhalb eines Jahres wieder Richtung Heimat fahren. Und auch die Einwanderer aus Drittstaaten packen spätestens nach drei Jahren ihre Koffer. Diese Entwicklung scheint dramatisch, wo doch nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) allein im MINT-Bereich bereits weit über 200.000 Fachkräfte fehlen, was einen Ausfall der Wertschöpfung von 22 Milliarden Euro pro Jahr zur Folge hat. Und auch die Einstellung eines neuen Mitarbeiters ist kostenintensiv. Um eine Stelle zu besetzen, fallen für diese zwischen 30 und 40 Prozent eines Jahresgehalts an. Wenn der neue Kollege dann schon nach wenigen Monaten die Segel streicht, hat das Unternehmen keine Chance, das Investment in Rekrutierung und Einarbeitung zurück zu erhalten. Es reicht also nicht, dafür zu sorgen, dass die neuen Kollegen vom ersten Arbeitstag an vom Zugriff zur IT haben.  

Neue Mitarbeiter sind schneller produktiv

Mit sogenannten Onboarding-Programmen wollen Unternehmen den Neuen den Einstieg und die Eingliederung erleichtern. Sie sollen sich willkommen fühlen, zugleich aber auch auf ihre zukünftigen Aufgaben so optimal wie möglich vorbereitet werden. Onboarding-Programme fördern den Austausch mit erfahrenen Kollegen. Sie schaffen wichtige Kontakte und eröffnen Möglichkeiten zum Training und zur Weiterbildung. Werden diese Programme individuell geplant und konsequent ausgeführt, zeigen sie entsprechend Wirkung: Die neuen Mitarbeiter sind schneller produktiv, sie kennen die Unternehmenskultur und gelangen an notwendige Informationen, wenn sie tragfähige Netzwerke im Unternehmen etablieren und Vertrauen aufbauen konnten, etwas zusammen mit Mentoren. Denn – eben einer systematischen Einarbeitung in den Job, muss die auch die soziale Integration in das Arbeitsumfeld gelingen. „Weil Personalentwickler viel Zeit und Geld investieren, um ausländische Fach- und Führungskräfte aufzuspüren und nach Deutschland zu holen, ist es notwendig, auch deren systematische Einarbeitung und soziale Integration in die Hände von Experten zu geben!“ erläutert Bettina Kertscher, Geschäftsführerin des Kommunikationsdienstleisters Fix International in Hamburg, „gerade in der Anfangsphase müssen die Erwartungen und Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeiter durch gut durchdacht und konsequent in Einklang gebracht werden.“ Daran lässt auch Daniel Gau keinen Zweifel: „Viele neue Mitarbeiter erleben einen kleinen Kulturschock, wenn sie nach Deutschland kommen. Zusätzlich werden sie vor die Wohnungssuche und bürokratische Hürden gestellt, die unmöglich allein zu bewältigen scheinen. Da vergeht dem ein oder anderen gar die Lust auf den Start in Deutschland!“ Gau ist Onboarding Manager des Onlinespieleentwickler Goodgame Studios in Hamburg (siehe Interview), dem der am schnellsten wachsenden Spieleentwickler Europas. Von den über 1000 Beschäftigten kommen knapp 30 Prozent aus dem Ausland. Bei Goodgames Studios arbeiten Menschen aus über 50 Nationen. Zu den Herkunftsländern zählen Kirgisistan, Jamaika, Malaysia und Gambia. Viele der Neulinge kennen zunächst weder die deutsche Sprache, noch die Kultur.  

Emotionale Krisen kommen zwischen dem siebten und elften Monat

Bislang enden viele Integrationsprogramme bereits nach den Vorstellungsrunden, meistens ist spätestens nach den ersten 100 Tagen Schluss. Doch Arbeitswissenschaftler beobachteten, dass emotionale Krisen oft erst zwischen dem siebten und elften Monat durchschlagen. Dann hat sich die erste Euphorie gelegt. Und junge Mitarbeiter haben heute sehr konkrete Vorstellungen von ihrem Job. Gehen die Erwartungen nicht in Erfüllung, geht die Motivation in den Keller. Dabei scheitern Neulinge derzeit noch allzu oft an einem Faktor, den Arbeitsmarktexperten als Willkommenskultur bezeichnen. Dies ist nicht nur die praktische Unterstützung beim Einstieg. Vielmehr geht es um den grundsätzlichen Umgang mit Vielfalt im Unternehmen. Diese beinhaltet auch die Anerkennung unterschiedlicher Arbeits- und Lebensstile und umfasst auch die Wertschätzung der bisherigen Leistungen von Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen.



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