Das deutsche Porzellan-Zwiebelmuster – Ein Übersetzungsfehler!

Newsletter Mai 2012

Das deutsche Porzellan-Zwiebelmuster – Ein Übersetzungsfehler, Dolmetschen und Übersetzen, Fix International ServicesDas Zwiebelmuster, das kobaltblaue Unterglasurdekor auf Meissener Porzellan, ist das erfolgreichste Blaudekor der Porzellangeschichte. Einst gehörte es in wohlhabenden Bürgerkreisen Deutschlands zum guten Ton, ein Zwiebelmuster-Service war ein „must have“ in der guten Stube. Und als 2010 die Porzellanmanufaktur Meissen ihr 300 jähriges Jubiläum feierte, hatte auch der Klassiker ein Jubiläum hinter sich: 2009 feierte man den 270. Geburtstag des Zwiebelmusters.
Doch die Geschichte des Zwiebelmusters ist traditionsreicher –  und reicht bis ins alte China zurück, dem Ursprungsland des Porzellans. Dort sind bis in die Mingzeit (1368 – 1644) florale Bilder nachweisbar. Bambus steht für die soziale Oberschicht, der Granatapfel als Symbol für Fruchtbarkeit, die Päonie bedeutet Reichtum, der Pfirsichkern steht für die Unsterblichkeit. Europäische Künstler des 18. Jahrhunderts entdeckten diese Motive. Es waren Zeichen der damaligen China-Euphorie, die von den Künstlern begeistert aufgenommen wurden. Zwiebelmuster? Diese Bezeichnung entsprang dem Volksmund, doch der Name täuscht. Weil er die wahren Motive im Zwiebelmuster verkennt. Tatsächlich finden sich im ursprünglichen Dekor keine Zwiebeln. Es sind Granatäpfel, Pfirsiche, Päonien und ein Astern-Bambus-Bukett. Denn jede Frucht, jede Pflanze hat entsprechend der ostasiatischen Philosophie ihre eigene symbolische Bedeutung – aber woher sollte der Kopist der chinesischen Vorlagen, der einfache sächsische Maler, die Motive kennen? Diese gab es nicht auf dem Wochenmarkt… Aus Grantäpfeln, Bambus und Päonien wurden folglich: Zwiebeln! Ein klassischer Übersetzungsfehler!
Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen wurde durch den sächsischen Kurfürst August den Starken 1710 gegründet und avancierte in drei Jahrhunderten zu einer der bekanntesten Marken der Welt. Möglich wurde die Produktion des „weißen Goldes“ durch die Entdeckung des Alchemisten Johann Friedrich Böttger, der zunächst geprahlt hatte, er könne aus minderwertigem Material Gold gewinnen. Immerhin fand er schließlich heraus, wie man Hartporzellan herstellt. Am Ende schufen die Künstler eigenständige Dekore, die bis heute faszinieren…



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