Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt?

Newsletter Juli 2011

Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt?, Fix International Services, Dolmetschen, ÜbersetzenDurch die Anerkennung des afrikanischen Staates Südsudan wurde aus den Vereinten Nationen am 14. Juli 2011 eine Gemeinschaft mit 193 Mitgliedsstaaten. Doch bei den offiziellen Dolmetschern und Übersetzern der Vereinten Nationen kommen längst nicht alle Sprachen der Mitgliedsstaaten zum Zug, eine Beschränkung auf die sechs offiziellen Amtssprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch soll für Effizienz und Übersichtlichkeit sorgen. Im Gründungsjahr 1946 wurde von der Generalversammlung zunächst festgelegt, dass die zentralen Arbeitssprachen Englisch und Französisch sind.
Rubrik: Übersetzung & Dolmetschen

In der Europäischen Union, einem Staatenverbund, der sich aus 27 Staaten zusammensetzt, bildeten in den 1950er Jahren die Gründerstaaten Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und das Königreich der Niederlande in Brüssel den Kern. Dolmetscher und Übersetzer kamen mit vier Amtssprachen aus. Seit 2007 gibt es in den nun 27 Mitgliedstaaten 23 verschiedene Amtssprachen. Würde im Rat der EU konsequent von jeder in jede Sprache gedolmetscht werden, wären bei Sitzungen 253 Simultandolmetscher-Kabinen erforderlich. In Malta findet sich die kleinste EU-Sprachgemeinschaften (400.000 Sprecher), die deutschsprachige Gemeinschaft (Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Italien und Liechtenstein) bildet mit über 93 Millionen Teilnehmern die Größte.

Weltweit existieren fast 6000 Sprachen

Prof. Dr. Martin Haspelmath vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig geht davon aus, dass auf der Welt fast 7000 Sprachen existieren. In Europa sind dies 150 Sprachen, davon entfallen allerdings allein 40 auf den Kaukasus. Die größte Sprachendichte konnten Wissenschaftler in Papua-Neuguinea feststellen: Hier bringen es die Einwohner auf sagenhafte 833 Sprachen!

Weltsprachen: Die Top Ten
1. Mandarin-Chinesisch: 726 Millionen
2. Englisch: 427 Millionen
3. Spanisch: 266 Millionen
4. Hindi: 182 Millionen
5. Arabisch: 181 Millionen
6. Portugiesisch: 165 Millionen
7. Bengali: 162 Millionen
8. Russisch: 158 Millionen
9. Japanisch 124 Millionen
10. Deutsch 121 Millionen

Etwa die Hälfte der Erdbevölkerung spricht also eine der zehn meistgesprochenen Sprachen. Zu interessanten Ergebnissen kamen Wissenschaftler 1999 in Oxford, die eine Antwort auf die Frage gesucht haben, warum die Sprachendichte rund um den Äquator am dichtesten ist: In manchen Gegenden sind Menschen sehr abhängig von anderen Menschen, in anderen Gegenden können sie besser auf sich allein gestellt leben. Je mehr soziale Bindungen und folglich auch Abhängigkeiten jedoch bestehen, umso weniger Sprachen scheint es im Ergebnis zu geben. Besonders deutlich wurde, dass starke Staaten zu sprachlicher Homogenität führen, also viele Bürger die gleiche Sprache sprechen.

Auch interessierten sich Wissenschaftler für die Frage, ob alle Sprachen auf der Welt denselben Ursprung haben. Die Antwort ist umstritten. Sicher scheint, dass verwandte Sprachen eine Familie bilden, die aus einer gemeinsamen, noch älteren Ursprache entstanden sein muss. Weltweit wurden deshalb zunächst 400 Sprachfamilien charakterisiert, die sich in etwa 90 „Großfamilien“ ordnen lassen. Versuche, diese „Großfamilien“ in so genannte „nostratische Megafamilien“ (Indogermanisch, Afroasiatisch, Uralisch Altaisch) zu gruppieren, stehen vor dem Problem, dass die Spuren einer Sprachverwandtschaft nach einer gewissen Zeit verwischen, die Wissenschaft geht von „Verwischungen“ bei ca. 8000 Jahren aus.

Doch ein gemeinsamer Ursprung aller Sprachen vor ca. 100 000 Jahren scheint wahrscheinlich. Um mehr Licht in die Sprachenfrühgeschichte zu bringen, gehen Forscher einen weiteren Weg und bestimmen die lexikalische „Halbwertszeit“ von Wörtern, also die Zeitspanne, in der Wörter mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit durch andere ersetzt werden. Weil manche Wörter über eine Halbwertszeit von über 20 000 Jahren verfügen, lohnt es, diese langlebigen Satzteile genauer zu untersuchen, um dem Ursprung der Sprachen auf die Spur zu kommen.

Chinesisch bleibt auch in Zukunft Spitzenreiter

Sprachpuristen wettern über die Anglifizierung der deutschen Sprache. Doch quantitativ ist der Eindruck, demzufolge der Gebrauch des Englischen weltweit anwächst, falsch. Chinesisch ist die meistgesprochene Sprache – und wird es auch bleiben. Rang 2 wird von Hindu/Urdu erobert, Englisch verliert in den nächsten 50 Jahren an Bedeutung. Zu den sprachlichen Megatrends der Zukunft gehört, dass zahlreiche lokale Sprachen aussterben. An ihrer Stelle werden jedoch, speziell in den globalen Ballungsräumen, neue Sprachen entstehen. Der Hauptgrund für die Veränderungen ist nach Auffassung britischer Linguisten die weltweite demographische Entwicklung.Download Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt?

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