Romands sagen „J'aime l'allemand!“

Februar 2015

e48411c9b89b23bb5b85939c389faae4.140x10000x0.jpgDeutschlehrer in der schweizerischen Romandie haben keinen leichten Job. Denn die deutsche Sprache gilt dort, wo mehrheitlich französisch gesprochen wird, als vertrackt und voller Hürden. Zudem gehören alptraumartige Erinnerungen an Deutschlehrer und ihre zweifelhaften Methoden in der welschen Schweiz zu den unausbleiblichen Zutaten, wenn sich Menschen über ihre Schulvergangenheit austauschen. „Schrecklich!“ ist da noch eines der gnädigeren Urteile. Als Romandie, Suisse romande oder Welschland wird dieser Teil der Schweiz bezeichnet. Doch ausgerechnet im 21. Jahrhundert, das von der Lingua Franca, dem Englischen, dominiert wird, sehen Bildungs- und Kulturforscher einen Einstellungswandel am Horizont. „Die welschen Kantone haben in letzter Zeit kräftig in Verbesserung und Ausbau des Deutschunterrichts investiert!“ vermelden die führenden Medien der Eidgenossen zwischen Basel, Zürich und Bern, „Elan und die öffentliche Akzeptanz sind vorhanden!“ konstatiert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
Dabei gelten die Romands im Viersprachenland Schweiz nicht als besonders sprachgewandt. Sie machen, auch das eine Vermutung, ihre Deutschkenntnisse schlechter, als sie seien, eine Folge einer überperfektionierten Erwartung an die Spracheherrschung. Doch es scheint, als würden sich jetzt Einstellungen wandeln. Eidgenossen jüngerer Jahrgänge bereichten von motivierten Lehrerinnen und Lehrern und lebendigen Studienreisen nach Berlin und Hamburg. Der Deutschunterricht, die deutsche Sprache und Deutschland durchlaufen gerade Imagekorrekturen. Statt „Je ne parle pas l'allemand,  je l'ai appris à l'école!“ („Ich kann kein deutsch, ich habe es in der Schule gelernt…!“) gäbe es geradezu Liebeserklärungen an die Sprache von Goethe, Heine, Grass und Daniel Kehlmann.                
Parallel verbessern sich auch die Bedingungen für eine Erneuerung des Schulunterrichts. Viele Bildungspolitiker in der der Romandie haben den Ausbau des Deutschunterrichts in ihre Agenda aufgenommen. Manche Kantone schlagen neue Pfade ein. So hat Genf als erster Kanton eine „Schweizerdeutsch-Sensibilisierung“ eingeführt. Und der Kanton Freiburg hofft auf Impulse durch die Förderung der „Partnersprache“ in einem 10. Schuljahr. Auch der Kantor Wallis wird aktiv: Angehende Lehrer sind zum Aufenthalt im anderen Sprachgebiet verpflichtet. 


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