Interkulturelle Hürden beim E-Mail-Austausch

August 2014

e48411c9b89b23bb5b85939c389faae4.140x10000x0.jpgNatürlich werden E-Mails, weder in Berlin, noch in Peking oder in New York, im Kanzleistil verfasst. Doch manches, was sich in der internationalen Geschäftskorrespondenz bewährt hat, ist auch beim Austausch von E-Mails hilfreich. Trainings haben sich hier bewährt, E-Mails sind schließlich längst zentrale Kommunikationselement im Business, entsprechend professionell sollten sie eingesetzt werden, will man Fettnäpfchen umgehen. Grundsätzlich gilt: E-Mails sollten in Sprache, Rechtschreibung oder Grammatik nicht nachlässig verfasst werden. So lassen sich Missverständnisse, Mehrarbeit und Ärger zu vermeiden. Aber Fettnäpfchen lauern bei der internationalen Korrespondenz schon bei der Benutzung einer Fremdsprache. Wer diese nicht beherrscht, sollte mit korrekten Textbausteinen operieren. Im Zweifelsfall nicht zögern und Kollegen oder professionelle Übersetzer um Unterstützung bitten. Allerdings ist der Sprachgebrauch nicht die einzige Hürde. „Grammatikalische Fehler werden eher entschuldigt, als interkulturelle Fehltritte", berichtet. Bettina Kertscher, Geschäftsführerin des Kommunikationsdienstleisters Fix International in Hamburg. Also Vorsicht: Es gibt hier internationale Unterschiede in der E-Mail-Etikette.
Strenge hierarchische Stufen in Indien

Die Briten geben häufig schon nach der zweiten E-Mail informell. Sie verzichten gerne auf Anrede und formelle Verabschiedung, auch ein kumpelhaftes „Cheers“ kommt vor – zumindest, wenn sich die Partner auf einer Hierarchie-Ebene bewegen. So gilt, im englischsprachigen Raum: kürzer ist besser, die „Fünf-Satz“-Grenze ist Programm. Stilistisch weniger locker geht es im Business mit Partnern aus den USA zu. Das gilt auch für Kontakte mit indischen Partnern, wo strenge hierarchische Stufen zu beachten sind, vor allem hochgestellte Partner erwarten einen förmlichen Einstieg. Andersherum geht es dort von oben nach unten ausgesprochen rustikal zu. Doch gilt: auch ruppige Mails sollten höflich beantwortet werden, eventuell mit einem kleinen Wink auf die eigene bedeutsame Position im Unternehmen. In Lateinamerika hingegen kann es schnell mal freundschaftlicher zugehen. Der förmliche  Einstieg wird schon nach wenigen Mails kollegial und persönlich. Der erste Austausch oder eine offizielle Anfrage muss jedoch zunächst höflich und respektvoll formuliert werden. Ähnlich wie in Deutschland werden in Frankreich Mails geschrieben. Unsere westlichen Nachbarn freuen sich über einen höflichen, zunächst förmlichen Umgang. Etwas strenger geht es in Japan zu, sowohl auf Papier, als auch elektronisch. Hier gehört die korrekte Anrede plus Titel zur Pflicht, genauso wie ein persönlich gehaltener Ausklang am Mail-Ende. Dort liegt in der Kürze nicht die Würze! Anders halten das die Chinesen, E-Mails im Reich der Mitte sollten schnell zu Sache kommen. Dabei kann es passieren, dass man länger auf eine Antwort warten muss – nicht persönlich nehmen! Denn der persönliche Kontakt ist in China viel wichtiger. Kurze und eindeutige Antworten sind die Regel, häufig ohne Anrede und Verabschiedung. Auch in Russland gilt: Keine Schnörkel, dort kommt man schnell zur Sache! Auf Anrede oder eine Schlussformel wird gerne verzichtet. Was uns als unhöflich erscheint, ist mitnichten so gemeint. Weniger Chancen beim Erstkontakt hat man im arabischen Kulturraum per E-Mail. Hier ist das Business noch Personen-bezogener. Termine und komplexere Sachlagen werden am Telefon abgestimmt.   

 



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