Was digitale Nomaden treibt - Klare Ziele statt Strandidyll!

August 2014

1926729-655233971220533-4931891990600802868-n.jpgImmer mehr junge Menschen wollen selbst entscheiden, wo, wann und wie sie Geld verdienen. Es gibt zahllose Bloggs, Konferenzen und Stories über das ortsunabhängige Arbeiten. Verlockende Fotos erzählen vom entspannten Leben in der Hängematte am Strand mit WLan-Anschluss. Sind die digitalen Nomaden die neuen Expats? Lernen wir etwas über die Zukunft der Arbeit? Oder ist es nur ein kurzer Hype?
Geschichten rund um erfolgreiche Backpacker gehen, zumindest in deutschen Hochglanzillustrierten und TV-Magazinen, so: Ein Twentysomething gerät in eine Krise, kündigt den Job in einer renommierten Werbeagentur, vermietet seine Berliner Altbauwohnung (gern: Prenzlauer Berg) unter – und zieht als digitaler Nomade fröhlich pfeifend in die Welt. Selbstbestimmt, unabhängig und unter Palmen verdient er jetzt sein Geld, als IT-Berater, PR-Profi oder Webseitenbauer. Geld bringt auch Werbung auf dem Blog, die Kreditkartenempfehlung oder der Hinweis auf die freundliche Fluglinie für Backpacker auf dem Newsletter. Kurzum: Mal hier, mal dort – immer das Cocktailglas in Reichweite. Besonders Webdesigner, Grafikdesigner oder Softwareentwickler scheinen geeignet für ein digitales Nomaden-Leben. Andere Nomaden verdienen ihre Brötchen durch projektbezogene Arbeit. Sie bieten Beratungsleistungen und Vorträge. Soweit die Theorie. Schickten früher Unternehmen ihre besten Leute als Expats in ferne Länder, berichten nun Blogger aus Vietnam, Thailand oder Kolumbien. Ein schiefes Idyll?   „Man braucht klare Ziele, man muss Lust am Unternehmertum haben. Digitales Nomadentum hat erstmal nichts zu tun mit lustigem Strandleben, Cocktails und Hängematte!“ erklärt die bekannte Reisebloggerin Conni Biesalski im Fix International-Interview. Wer ortsungebunden arbeiten will, will damit auch Geld verdienen. Wie das geht? In Berlin sollte es Antworten geben auf der DNX, der Digitalen Nomaden Konferenz, Anfang 2014. Der Andrang war groß, die Tickets sollen schon nach wenigen Tagen ausverkauft gewesen sein. Die meisten der Konferenz-Teilnehmer waren noch am Anfang ihrer digitale Nomaden-Karriere. Sie wollten wissen, wie man mit einem Blog Geld verdienen kann. Bloggen, an Webseiten basteln, E-Books verkaufen, übersetzen - und dabei um die Welt reisen: Das klingt hip und abenteuerlich!“ wunderte sich Spiegel Online über die große Nachfrage, „wenn man seiner Leidenschaft folgt, dann wird man damit auch erfolgreich!“, diktierte ein Blogger den staunenden Journalisten in die Blöcke. Die trugen die Schlagerweisheit brav in die Welt hinaus. Doch zurückhaltend fielen die Antworten auf die Frage aus, wer denn – ohne den Scheck der Eltern – in diesem Spaßbusiness wirklich echtes Geld verdient. „Seit dem Launch im April 2012 ist Planet Backpack zu einem der größten Reiseblogs im deutschsprachigen Raum herangewachsen. Mehr als 85.000 Menschen lesen diesen Blog jeden Monat, über 15.000 folgen mir auf Facebook, Twitter und Instagram, über 13.000 Leute haben mein gratis E-Book heruntergeladen und erhalten meine Newsletter“ erklärt Conni Biesalski. 

„Am Anfang stehen Durststrecken!“ 

Eine Wissensarbeiterin, die ihre Arbeit via Internet unabhängig von einem bestimmten Ort ausführen kann? Als Vorbild ist Biesalski eine vielgefragte Protagonistin der Nomaden-Szene. Wie sie arbeiten die meisten professionellen digitalen Nomaden als Blogger. Sie verdienen ihr Geld im Onlinemarketing. „Wer in der Heimat zu Beginn der Karriere einfach die Brocken hinwirft und naiv in die Ferne startet, wird scheitern. Am Anfang sind Durststrecken die Regel. Zunächst sollte man sein  Business aufbauen, von Berlin, Hamburg oder Lüneburg aus. Der Traumstrand ist am Anfang unrealistisch!“ erklärt Bettina Kertscher, Geschäftsführerin des Kommunikationsdienstleisters Fix International in Hamburg. Und auch Conni Biesalski, die gerne von Thailand oder Vietnam aus arbeitet, trifft man noch häufig in Berlin.         


zurück zum Newsletter