„Man braucht viel Feuer unterm Hintern!“

August 2014

Conni Biesalski, Digitale Nomadin, Newsletter Fix International ServicesConni Biesalski, 31, ist eine der bekanntesten Digitalen Nomadinnen der Republik. Die studierte Konnunikations- und Medien-Expertin ist Reisebloggerin (www.planetbackpack.de). Planet Backpack will ein Reiseblog und unabhängiger Guide für Backpacker, Abenteurer, Langzeitreisende und digitale Nomaden sein. Conni Biesalski verkauft E-Books und berät Neueinsteiger in der Kunst des ortsunabhängigen Lebens und Arbeitens. Von ihrer Homebase Berlin aus hat sie bereits über 50 Länder auf sechs Kontinenten bereist. Daneben arbeitet sie als Übersetzerin und Tauchlehrerin. Ihr Credo: „Meine Selbständigkeit gibt mir die Freiheit von überall auf der Welt zu arbeiten – für mich gibt es nicht schöneres als zu wissen, dass ich egal ob in Berlin, Buenos Aires oder Bangkok immer irgendwie mein Geld verdienen kann.“
Conni Biesalski, Sie bezeichnen sich als Digitale Nomadin. Ihre Vita weist eine beeindruckende Anzahl von Zielen in aller Welt auf, in denen Sie bereits gelebt und gearbeitet haben, 40 Länder auf sechs Kontinenten. Können Sie beschreiben, was am Anfang ihrer Leidenschaft zur Weltreisenden stand?  

Conni Biesalski: Ich bin in einer Kleinstadt in Bayern aufgewachsen, krasser Dialekt. Viele Felder, mir war schon immer bocklangweilig dort. Ich musste raus. Also angefangen Fluchtpläne zu schmieden. Als ich 15 war, anno 1998, habe ich nach langen Diskussionen meinen Willen durchgesetzt und bin auf ein Austauschjahr in die USA, wo ich mit einer Gastfamilie in dem sehr unbekannten Mittelsüdstaat Arkansas gelebt habe. Die Austauschorganisation wählte den doofsten Ort, wohl aber gleichzeitig eine der reichsten Familien des Landes für mich und so lebte ich ein Jahr im unendlichen Luxus und Spaß. Ich hatte eine tolle Zeit mit tollen Leuten und geilen Reisen auf die Bahamas und die Rocky Mountains. Jackpot.     

Wann haben Sie das Digitale Nomadentum zu Ihrem Beruf gemacht und warum?

Conni Biesalski: Seit 2012 bin ich selbständig und freelance, zumeist für Internet Startups. Außerdem mache ich Übersetzungsarbeiten und baue WordPress-Seiten. Meine Selbständigkeit gibt mir die Freiheit von überall auf der Welt zu arbeiten – für mich gibt es nicht schöneres als zu wissen, dass ich egal ob in Berlin, Buenos Aires oder Bangkok immer irgendwie mein Geld verdienen kann.  

Den Traum vom ortsunabhängigen Leben und Arbeiten träumen immer mehr Menschen, die traditionellen Erwerbsbiografien abschwören. Braucht es  persönliche Voraussetzungen, um diesen Traum erfolgreich in die Wirklichkeit umsetzen zu können?  

Conni Biesalski: Man braucht klare Ziele, man muss Lust am Unternehmertum haben. Digitales Nomadentum hat erstmal nichts zu tun mit lustigem Strandleben, Cocktails und Hängematte. Es hat auch nichts zu tun mit vier Stunden Wochenarbeitszeit. Viele Scheitern auch, weil ihnen die Offenheit für die Regeln des Online-Marketing fehlt. Man darf keine Schablonen im Kopf haben. Man braucht Motivation und viel Feuer unter dem Hintern! Man muss entschlossen sein, den Lifstyle durchzuziehen. Sehr wichtig: Man muss unternehmerisch denken können, man muss sich selbst vermarkten können.  Der Erfolg kommt nicht von allein. Nur wer richtig ranklotzt, wird am Ende bestehen!  

Haben Sie schon Erfahrungen als normale Angestellte gemacht?
 

Conni Biesalski:  Den ersten und letzten Erwachsenen-Job meines Lebens habe ich 8 Monate ausgehalten, dann habe ich mich selbständig gemacht um als digitale Nomadin von überall arbeiten zu können. Ein konventionelles Leben ist nichts für mich, 40 Stunden im Büro jede Woche abzusitzen auch nicht. Es gibt mehrere Arten sein Leben zu führen und dabei jeden Tag glücklich zu sein. Ich habe meinen gefunden. Ich habe ein Riesenmaß an Freiheit, ich kann selber entscheiden, wann und wo ich arbeite. Das ist im Grunde unbezahlbar…    

Sie teilen Ihre Erfahrungen auf www.planetbackpack.de einer großen Gemeinde von Followern mit . Was ist Ihre Mission?
 

Conni Biesalski:  Ich habe über Jahre die Welt bereist und im Ausland gelebt und gearbeitet. Es wäre doch schade, wenn ich meine Erfahrungen einfach für mich zu behielte. Auch denjenigen, die es sich nicht zutrauen auf Weltreise zu gehen, zeige ich, dass es jedem möglich ist. Jeder kann sich dieses Leben leisten. Ich möchte meinen Lesern Ängste nehmen und sie gleichzeitig für das spannende Unbekannte auf Reisen begeistern.  Das Ziel von Planet Backpack ist es, eine Gemeinschaft von Reisenden zu kultivieren, die bewusst, nachhaltig und unabhängig die Welt erkunden. Egal ob für einen Monat, für ein Jahr oder für immer.  

Wie groß ist die Zahl professioneller Digitaler Nomaden, die ihre Homebase in Deutschland haben?    

Conni Biesalski:  Das ist schwer zu sagen. Es gibt vielleicht eine Handvoll professioneller Reiseblogger. Wir haben eine Facebookgruppe, die hat etwa 300 Mitglieder. Aber da gehören auch Leute mit nine-to-five-Jobs dazu. Ich schätze, es gibt deutschsprachig etwa 40 Mitglieder in der Community, die auch finanziell gut über die Runden kommen. Weltweit geht die Zahl aber längst in die Tausende. Und unsere Community wächst!  

Bleiben die Backpacker auf Reisen eher unter sich oder tauchen Sie unterwegs auch in das Alltagsleben Ihrer unterschiedlichen Zielregionen ein?  

Conni Biesalski:  Vordergründig sind Digitale Nomaden immer unterwegs. Aber oft bleiben wir auch monatelang an einzelnen Orten. Dann sucht und findet man auch Anschluss. Je länger ich mich irgendwo aufhalte, desto wichtiger wird der Austausch. Sonst wird es schnell  einsam, kein schönes Gefühl. Viele Digitale Nomaden wohnen in preiswerten Hostels, meist in Einzelzimmern, um in Ruhe arbeiten zu können.  

Gibt es Zentren, in denen die Digitalen Nomaden vermehrt anzutreffen sind?
 

Klar, das sind vor allem Orte, in denen man gut und günstig leben kann. Solche Orte findet man beispielsweise in Vietnam, in Thailand oder in Kolumbien.  

Ist Reisebloggen ein Geschäftsmodell mit Zukunft oder eher eine Nische für kommunikationsstarke Individualisten?  

Conni Biesalski:  (lacht) Bin ich eine kommunikationsstarke  Individualistin? Im Ernst: Es gibt noch viel Potential in diesem Markt! Aber nicht alle werden Erfolg haben. Das wichtigste ist, dass man den Lesern einen Mehrwert bietet und deren Interessen ins Zentrum stellt. Ich lese deshalb jede einzelne E-Mail und schaue, was die Leser brauchen. Daneben ist es auch wichtig, sich abzuheben. Man muss Lust haben, sein Gesicht zu zeigen. Schließlich bin ich auch eine Marke!

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie?


Conni Biesalski:  Am meisten nutze ich momentan Facebook und Instagram. Wobei meine Aktivitätslevel und Netzwerke sehr fluktuieren. Letztes Jahr war ich zum Beispiel sehr aktiv auf Google+. Und bis vor ein paar Monaten auch auf Twitter, Pinterest und noch so anderen! Ich habe aber gemerkt, dass es für mich mehr Sinn macht sich auf ein ein, zwei zu konzentrieren und die dann aber richtig und kontinuierlich zu nutzen.  

Denken Sie manchmal über Ihre Rente nach?
 

Conni Biesalski: (lacht) Meine Lieblingsfrage! Warum denken eigentlich alle, dass wir Digitale Nomaden nicht darüber nachdenken? Ich bin doch eine normale Unternehmerin und zahle Kranken- und Rentenversicherung. Mein Ziel ist es, weniger auszugeben und etwas zurücklegen. Schon jetzt gebe ich grundsätzlich weniger aus, als ich einnehme. Rücklagen sind wichtig. Vielleicht werde ich mir später mal eine Immobilie zulegen. Aber, zurück zum Kern der Frage: Ich habe eigentlich nicht vor, irgendwann in Rente zu gehen!  

Was war bislang ihre spannendste Erfahrung auf Reisen?
 

Conni Biesalski: Vor Jahren hatte ich in Berlin mal einen Job in einer PR-Agentur. Dort habe ich intensiv darüber nachgedacht, wie ich mir mein Leben vorstelle. Daraus entstand das Ziel, als Digitale Nomadin durchzustarten. Dann hatte ich irgendwann einen ganz besonderen Moment auf einer Insel in Thailand. Morgens war ich tauchen, tagsüber habe ich mich um mein Online-Business gekümmert. Und abends war ich mit Freunden zusammen. Vor dem Einschlafen habe ich gedacht: „Conni, gerade hattest du den perfekten Tag!“     

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